lieber den Ausspruch Christi: Ich habe für dich gebeten rc. 1U7
Ihr wißt aber, daß diese unsere Versammlungen in dieserdreifachen Absicht angeordnet worden sind: Einmal, um Prüfun-gen über die Lehre und Verwaltung der Kirchen zu halten; so-dann, damit theils durch Ermahnungen der Fleiß angeregt, theilsdurch tröstende Ansprache in Manchen der Schmerz gemildertwerde; endlich, um unser Seufzen und Wünschen im gemeinsa-men Gebete zu vereinigen, und zu bitten, daß Gott die Kirchebeschützen und die Strafen lindern wolle.
Um nun einen Trost und eine Ermahnung, wie Anderen, somir selbst voczuhalten, Hab' ich den Ausspruch des SohnesGottes gewählt, in welchem Er dem Petrus vor dem Kampfeseine Gefahr verkündigt, und dann einen Trost und eine Wei-sung hinzufügt, indem Er spricht: „Simon, Simon! Siehe,der Satan hat Euch begehret, daß er Euch möchtesichten wie den Weizen! Ich aber habe für dich ge-beten, daß dein Glaube nicht aufhöre. Und wenn dudermaleinst dich bekehrest, so starke deine Brüder!"*)
Diese Erzählung muß man oft betrachten, weil sie viele undwichtige Sachen enthält. Zuerst wird die Größe der Gefahr ge-schildert. Von welcher Art diese und wie bedeutend sie sei, dasbedenken niemals solche Herzen, welche durch das Selbstvertrauenauf ihre Weisheit berauscht, muthwillig ihren Lüsten sich hinge-ben. Sie sind daher nachsichtig gegen sich, Haschen nach äußernGütern und Freuden, brennen entweder vor Ehrgeiz, oder spie-len mit Meinungen, und verachten die von Gott gegebene Be-lehrung. Solchen Herzen, weil sie dem Teufel geöffnet sind, fol-gen endlose Verwirrungen im Leben, indem Einige frevelhafteMeinungen ausstreuen. Andere das Amt der evangelischen Pre-digt gänzlich vernachlässigen. Auf diese Weise entstehen in denKirchen allmälig Trennungen; Finsterniß und viele gräuliche Lasternehmen zu.
Darum warnt uns der Sohn Gottes vor den Nachstellun-gen des Teufels, und empfiehlt uns, zu wachen, unsre Herzendurch Lesen und Betrachtung der evangelischen Lehre wohl zuverwahren, und durch brünstiges Gebet die Lockungen des Teu-fels abzuweisen. Und wenn wir solches thun, dann unterstütztder Sohn Gottes unser Streben, bittet den ewigen Vater, daßEr die Reste der Kirche erhalten wolle, vertreibt den Teufel undregiert durch Seinen heiligen Geist unsre Herzen, Gesinnungenund Handlungen.
*) Luk. 22, 31. 32.