178 Rede über den Ausspruch des Paulus:
den Uebungcn des Glaubens nicht ganz unbekannt sind, wohl.Es soll daher das Lesen und die Lehre auf den Zweck gerich-tet werden, daß in uns, wenn wir durch die Tröstung aufge-richtet werden, in wahrer Buße und in allen Gefahren derGlaube angezündet, und neues Leben und ewige Gerechtigkeit an-gefangen werde, wie geschrieben steht: „Das ist das ewigeLeben, daß sie Dich, daß Du allein wahrer Gott bist,und denDu gesandt hast, Jesum Christum, erkennen/")
Ihr habt die Erklärung des paulinifchen Ausspruchs vernom-men. Nun ermahne und beschwor' ich Euch, um der Ehre Got-tes und des Heils der Kirche willen, daß Ihr dieser Vorschriftnachkommt, daß Ihr in Euren Studien diese Mahnung befolgt,daß Ihr die heiligen Bücher leset, und daraus die vollkommeneLehre der Kirche nehmt, und dieselbe zu Eurer und AndererTröstung anwenden lernt.
Keine andere Sorge, keine Mühe ist in diesem ganzen Lebennützlicher oder nothwendiger, als die ernste Beschäftigung mit die-ser himmlischen Lehre. Ja sie ist eine sichere Verwahrung desgegenwärtigen Lebens, und der Zugang zur ewigen Seligkeit, wiePaulus spricht: „Das Evangelium ist eine Kraft Got-tes, die da selig macht Alle, die daran glauben."*")
Manche aber nehmen ihre Trägheit in Schutz und sagen, essei genug, die heiligen Bücher Ein Mal und zwei Mal zu lesen;öfter dieselben zu lesen, erscheine als leeres Geplapper. WollteGott, es waren Viele, welche Ein Mal und zwei Mal alle prophe-tischen und apostolischen Bücher also läsen, daß sie den wahren,natürlichen und unverfälschten Sinn in den vorzüglichsten Stellenund Glaubenslehren faßten und behielten! Ich fordere nicht etwaängstliche Genauigkeit in kleinlichen Dingen, ohne welche die Ge-wißheit der Glaubenssätze erkannt werden kann; es soll nur dieErklärung „dem Glauben gemäß sein," wie Paulusspricht,***) und diese Richtschnur vor Augen habend, sollen wir,mit Anwendung der nöthigen Geschicklichkeit, der Eigcnthümlich-keit der Sprache folgen. Dabei muß Wahrheitsliebe und Lauter-keit sein, daß wir nicht darum ganze Vorträge der Prophetenverwerfen, weil etwa hie und da die Grammatiker das eine oderdas andere Wort nicht auf dieselbe Weise erklären, welcherleiStreitigkeiten für eine gewandte Urtheilskraft oft leicht zu ent-scheiden sind. Mag es immer einige wenige Worte in der alten
ft Loh. 17, 3.
**) Röm. 1 , 16 .
***) Röm. 12, 7.