„Halte an mit Lesen, mit Trösten und mit Lehren." 1547. 177
selbst spricht: „So wahr Ich lebe, Ich habe keinen Ge-fallen am Tode des Sünders, sondern daß er sichbekehre und lebe!"*) Gott hat sich also geoffenbart, Erhat die Stimme des Evangelium uns gegeben; Ec hat den Sohngesandt nicht zu dem einen Werke nur, unsre Sünden unsaufzudecken, sondern vornehmlich zu dem Zweck, um uns durchdie Stimme des Evangelium, und durch Seinen heiligen Geistzu trösten, und unsre Herzen aufzurichten, um Licht und Gerech-tigkeit in uns zu entzünden, und nach der Vernichtung der Sündeund des Todes uns zu Erben des Lebens und der ewigen Selig-keit zu machen.
Wenn nun Paulus an das Lesen die Tröstung schließt,so deutet er damit an, Gott sei eben durch diese Stimme derVerheißungen, die wir in den Schriften der Propheten undApostel lesen, wirksam. Mag dieses auch irreligiösen Menschenlächerlich scheinen, so wissen doch wir in der Kirche gewiß, daßGott darum das Amt der evangelischen Predigt angeordnet hat,damit wir lesen, lernen, und die Stimme des Evangelium ver-nehmen sollen, auf daß durch dieselbe himmlisches Licht von demheiligen Geiste Gottes in uns angezündet werde. Daß dieses soerfolgt, ist zuverlässig, wenn wir durch die Stimme der Verheißun-gen uns kräftigen, und dem Zweifel und der Verzagtheit entgegenkämpfen. Daher sind zu verwerfen alle Enthusiasten und Wiedertäu-fer, und Aehnliche, welche bei Verachtung der Schrift und Unterlas-sung des Lesens neue Eingebungen erwarten, wie ich denn einenAnabaptisten sogar habe sagen gehört, er möge nicht um einenGroschen alle Bücher der himmlischen Lehre, auf einen Haufenzusammen gebracht, kaufen. Bei diesem war es nun zwar of-fenbarer Wahnsinn; der Anfang solches Wahnsinnes jedoch gehtaus dem Wahn hervor, daß das Lesen und die Betrachtung dergöttlichen Verheißungen unnütz sei, wie denn solche, welche dieUebungen des Glaubens nicht kennen, nicht wissen, daß mangerade in jenen Verheißungen seine Beruhigung finden, undim Vertrauen auf die in den Verheißungen sich aussprechendeErbarmung Gottes Milderung der Uebel erwarten müsse. Sohalten sie cs auch, ganz nach heidnischer Denkart, für genug,wenn sie ihren sittlichen Zustand nur einer gelinden Zucht un-terwerfen, während die Herzen ohne Glauben und voll Zweifelssind. Was ich sagen will, verstehen redliche Gemüther, die mit
*) Ezech. ZZ, 11.
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