„Halte an mit Lesen, mit Trösten und mit Lehren." 1547. 179
Sprache geben, deren Bedeutung wir nicht genug kennen; inihnen ist das Heil der Kirche-nicht gefährdet, wie Demosthe-nes spricht: „Es werde das Heil Griechenlands dadurch nicht inGefahr gesetzt, ob ec die Hand hierhin oder dorthin gewendethabe." Allerdings aber ist die Anmaßung derer tadelnswerth,welche eine solche Einbildung von ihrem Geiste haben, daß siedie Weisheit der göttlichen Bücher erschöpft zu haben meinen,nachdem sic dieselben zwei oder drei Mal durchgelesen.
Die Lehre der Kirche predigt von vielen wichtigen Sachen,welche nicht mit Einem Male gänzlich gefaßt werden können. So-dann muß man sich auch geschickt machen, um falsche Lehrsätzewiderlegen zu können. Damit man aber die Waffen stets inBereitschaft habe, ist eine vertraute Bekanntschaft mit den heili-gen Büchern nöthig. Außerdem bedarf Jeder für sich, zur Stär-kung seines Glaubens, öfterer Wiederholung derjenigen Zeugnisse,welche vorzüglich klar und überzeugend sind. Zu diesem Allen istanhaltendes Lesen erforderlich. Und da die menschlichen Gemü-ther fast täglich neue Kämpfe erfahren, so müssen auch die Her-zen oft durch neue Ermahnungen verwahrt und befestigt werden.Auch gehen die geistigen Bestrebungen auf die Sitten über, da-her auch die Gemüther derer, welche durch anhaltendes Lesenangeregt werden, weit mehr zum Nachdenken über Gott undzur treuen Uebung aller Tugenden sich neigen.
Zuletzt wollen wir auch das Wort des Paulus auf unsWicken lassen, daß er hier Aufmerksamkeit sowohl, als auch an-haltenden Eifer fordert, wenn er spricht: „Halt' an mit Le-sen!" Und in einer andern Stelle: „Lasset das WortGottes unter Euch reichlich wohnen/") und machtEuch vertraut damit.
Auch die vielfache Noch dieses Jahres mög' uns erinnern,daß wir in der Führung des ganzen Lebens, und in unserm Be-rufe größeren Eifer bewahren. Oft haben wir in diesem Jahream Altäre mit Thranen und Gebet um Frieden gefleht, undGott hat die Strafen gemildert! Aber der Friede wird dauern-der sein, wenn unsere Sitten ehrbarer sein, und wenn wir durchfleißige Betrachtung des Evangelium unsere Herzen zu brünsti-gem Flehen erwecken werden. Denn ohne dieselbe ist alles Ge-bet matt und kraftlos. Werden wir hingegen im Rausche derLust, oder vom Streben nach dem Irdischen eingenommen, das
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h Koloss. 3, 16.