„Halte an mit Lesen, mit Trösten und mit Lehren." 13-17. 1'/">
vom dem will Ich's fordern!"'*) Ueberhaupt ist das Ge-bot, das Evangelium zu lernen, bekanntlich oftmals wiederholt.
Indem ich dieses erwäge, fühl' ich mich zugleich von derUndankbarkeit und Hartnäckigkeit des menschlichen Geschlechtsschmerzlich ergriffen, da cs ja ein ganz außerordentlicher, ja derhöchste Beweis der Güte Gottes ist, daß Er aus Seinem Ge-heimnis herausgetreten ist, und sich uns offenbaret hat, freund-lich uns anredet, und eine, aller Creatur unbekannte Weisheitan's Licht bringt, die allein ein sicheres und kräftiges Mittel ge-gen die unzuberechnenden Nebel des Menschengeschlechts ist. Wasist hier unwürdiger, als den zu uns redenden Gott nicht hörenwollen, und so große Güte verschmähen, die eben darin sichtbarist, daß Er so oft und unter so glanzenden Zeugnissen Sich geof-fenbart hat? Wer müßte solche Undankbarkeit nicht der härte-sten Strafen würdig achten? Vielfach aber äußert sich diese Un-dankbarkeit. Viele Gottesverächter behaupten keck, die propheti-schen und apostolischen Bücher seien fabelhast, und halten An-dere ab, dieselben zu lesen. So Hab' ich gehört, daß Politianauf die Frage, ob er die heilige Schrift lese, geantwortet habe:Einmal habe er sie gelesen, habe aber bei keiner Lektüre seineZeit schlechter angcwendet. Und ein Anderer, der nach der hei-ligen Schrift gefragt wurde, sagte: „Ich bekümmere mich nichtum die fünf Bücher Mose; meine Sorge ist die, wie ich zumeinen Gütern noch fünf Dörfer schlagen kann." Eine solcheVerachtung ist nicht nur Undank, sondern Tollheit und Läste-rung, und die vornehmste Ursache der allgemeinen Noth in die-sem Leben; sie wird aber einst mit ewigen Strafen vergoltenwerden.
Aber nicht jene Epikurischgesinnten nur laßt uns anklagen,sondern auch unfern eignen Kaltsinn anerkennen. Auch nicht ein-mal wir sind von einem solchen Eifer zum Lesen, und einer sol-chen Sorgfalt im Nachdenken entflammt, wie cs sein müßte.Selten wenden wir einige Blätter um, und lesen ohne Aufmerk-samkeit, ohne Nachdenken über den göttlichen Willen, gleich wietrage, stumpfe Menschen Gedichte lesen.
Damit nun unsere Herzen zu eifrigem Forschen angcfeuertwerden, wollen wir das Wort des Paulus: „Halt' an mitLesen!" uns tief cinprägcn, und um das Verständniß des-selben zu erleichtern (denn es enthält eine sehr genaue Einthei-
>) S. Mos. 17, 18.