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Rede über de» Ausspruch des Paulus:
Da wir aber, verehrte Mitgeistlichc! einer alten und höchstrühmlichen Gewohnheit gemäß, zur Verathung über unsre Ver-waltung uns versammelt haben, und da unsre erste Angelegenheitdie evangelische Lehre sein muß, so hielt ich mich gedrungen, wieick) früher oftmals gethan, Euch vor Allem zu eifriger Beschäfti-gung mit der evangelischen Lehre und zu anhaltendein Lesen zuermahnen. Um nun dicß mit stärkerem Nachdruck thun zu kön-nen, beschloß ich, dasselbe Gebot, welches Paulus dem Ti-motheus stellt. Euch an dieser Stätte abermals zuzurufen undeinzuschärfcn. Denn Paulus hat dasselbe nicht sowohl wegendes Timotheus, dessen flammenden Eifer für das Evangeliumer kannte, als vielmehr um der ganzen Nachwelt willen geschrie-ben. Es sind aber die Worte diese: „Halte an mit Lesen,mit Trösten, mit Lehren!"
Wenn diesen Ausspruch irreligiöse Menschen lesen, halteil sieihn für eine kindische Ermahnung, die nicht viel zu bedeutenhabe; gleich, als wenn ein Schulmeister seine Schüler zum Le-sen in der Grammatik ermahne. Wiewohl nun auch dieser Un-terricht die Amme wichtiger Kenntnisse ist, so ist doch hier vonweit wichtigeren Sachen die Rede, und nicht nur eine Belehrungenthält dieses wichtige Wort des Paulus, sondern auch einen garsüßen Trost für Alle die, welche um ihrer gelehrten Beschäftigun-gen willen, angefeindet, und durch große Mühseligkeiten geprüftworden. Mich wenigstens hat in diesen unscrn Gefahren undNöthen gar oft gerade diese Mahnung aufgerichtct, wenn ichmich zweifelnd fragte, warum ich dem Studium des Evangeliummich widme, welches die Anfeindung der Menschen erregt, daman doch, wenn man alle Wissenschaft von sich weise, in Ruheund Ansehen leben könne? Wenn ich nun dieser Bedenklichkeit dasGebot Gottes entgegen stelle, welche die Schriften des Evangeliumzu lesen, zu hören, in ihr Verständnis zu dringen, sich mit ihnenzu befreunden fordert, dann beruhige ich mich wiederum, und findenicht nur Freude an meinem Studium, sondern bin unerschütterlichüberzeugt, daß man dem Lesen der himmlischen Bücher und dergelehrten Forschung in denselben alles Menschliche nachstcllcn müsse.
Und ich empfehle dieses Wort des Paulus: „Halte an
mit Lesen," und Achnlichcs fordernde Aussprüche auch mirselbst, z. B.: „Dieser ist Mein lieber Sohn, den solltihr hören!"*) Ferner: „Wer aber nicht hören wird,
*) Mark. S, 7.