Druckschrift 
5 (1830)
Entstehung
Seite
144
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144 Rebe gegen die Modcsucht in der Kleidung, j

solchen Mannes, von dem bekannt ist, daß ihm im ganzen denk- !sehen Reiche allgemein unbedingter Ruhm der Weisheit zugespro- ichen wird, Eindruck auf uns machen. Denn wenn in den deut-schen Reichsversammlungen alle Völker und alle Stande in Be-treff der wichtigsten Angelegenheiten seinem Urtheil beigestimmthaben, so wollen auch wir in dieser Beziehung ihm beistimmen, lund der Ueberzengung folgen, daß, wie es denn auch in Wahr-heit ist, solche Abgeschmacktheiten für jeden Stand überhaupt, vor- jzüglich aber für Studierende unanständig sind. Aber nicht Die-ser allein urtheilte also; cs ist dieses auch jetzt noch die Uebcr-zeugung aller Vernünftigen, und alle anständige Leute treffen darineinstimmig zusammen. Denn wer ist unter Euch, der, woferner überhaupt eine anständige Erziehung genoffen, ohne ganz un-verschämt zu sein, sich unterstehen würde, in einer ungewöhnlichenTracht vor seinem Vater zu erscheinen? Und eben so dürft Ihrsicher glauben, daß solche Thorheiten der allgemeine Unwille allerRechtlichen und Vernünftigen trifft.

Wiewohl nun das einstimmige Urtheil aller vernünftigerMänner billiger Weise gesetzliches Ansehen haben sollte, so laßtdoch, wenn anders fremdes Ansehen Euch nicht so viel gilt, ein >Jeder wenigstens das Ansehen seines Vaters Etwas gelten, wel-ches ja die Pietät vor Allem hoch und heilig geachtet wissen will!Und wenn nun solche Thorheiten in der Kleidung Euren Aelternmißfällig sind, und das müssen sie unbezweifelt sein, so mögedenn ihr Wille als Gesetz Euch gelten. Denn nicht das nurdürfen wir für Gesetz halten, was als solches öffentlich nieder-geschrieben ist; es ist dieses Gesetz nicht in Erz geprägt, noch insteinerne Tafeln eingegraben, sondern von Gott in unsre Herzengeschrieben, daß wir den Willen unsrer Aeltern eben so achtensollen, als irgend eine obrigkeitliche Vorschrift. Und doch sindauch obrigkeitliche Verordnungen über diesen Gegenstand, und j-außer den Lehren einsichtsvoller Menschen, auch in der heiligenSchrift die nachdrücklichsten Ermahnungen vorhanden, daß wirsollenehrbarlich wandeln vor den Menschen" (Rom.

13, 13.) d. h. daß wir weder im Gange, noch in der Rede,noch in der Kleidung etwas Unanständiges uns erlauben sollen;und Paulus heißt unsdie Lüste der Jugend fliehen"

(2. Tim. 2, 12.), womit er, nach der Erklärung der Gelehrten,eben auf jene Neigungen in Beziehung auf Kleidung und andreäußerliche Dinge deutete. Jst's aber etwas Anderes, als Wahn-sinn, wenn man weder durch das Urtheil ehrbarer Männer, noch