140 Siede gegen die Modesucht in der Kleidung, j
und ihnen keine Heilmittel entgegen setzt. Unter Allen aber scha-den dem Gemeinwohl am meisten die, welche die Tracht irgend ^eines ausländischen Volks lieben. Denn so wie der Liebhaber dieFarbe seiner Auserwählten nachahmt, so geben solche durch die !Nachahmung fremder Moden zu erkennen, daß sie auch die Sit-ten, den Luxus oder andere Lasier einer solchen Nation lieben,und die vaterländischen Gebräuche und Gesetze verachten. WelcheFürsten haben zuerst Diademe, und viele fremde Trachten in >Nom eingeführt? Waren es nicht die, welche, nachdem sie alte ^Gesetze umgcstürzt, von Außen her schändliche religiöse Feierlich-keiten, wie die Bakchanalien, außerdem die scheußlichsten Bei-spiele ausländischer Ueppigkcit nach Rom brachten? —
Wir sehen in unsrer Zeit gewisse Leute in türkischer Trachtsich brüsten, — ich kann mir keinen andern Grund denken, als weilsie unsrer Religion und unsrer Gesetze überdrüssig geworden sind,und solche, weil sie ihr Verlangen nach fremder Herrschaft, frem-den Sitten und fremder Religion an den Tag legen, nenn' ichunbedenklich Feinde des Vaterlands. Denn nicht nur die, welchein andern Ländern gegen ihr Vaterland die Waffen ergreifen, sindals Feinde desselben zu betrachten, sondern weit mehr noch die- ljenigen, welche, in der Meinung, daß bürgerliche Ordnung undEinrichtungen der Väter sie nichts angehen, fremde Sitten vonandern Völkern herein ziehen.
Es hießen die Lakedämonier einen milesischen Gastfreund,der außerdem, daß er mit allen Zeichen der Ueppigkeit sich um-gab, auch nach spartanischer Sitte zu kostbar sich kleidete, ihreStadt verlassen, um seine milesischen Künste zu Hause zu trei-ben. So verfuhren Jene gegen einen Gastfteund; um wie vielweniger sollte man Staatsbürgern gestatten, solche Beispiele demWaterlande zuzuführen, welche der alten heiligen Sitte Eintragthun müssen! Denn es geht das durchaus nicht ohne öffentliches sSittenverderbniß ab, weil das Volk, wie es von Natur dasNeue liebt, sogleich auch solche Thorheiten nachahmt, allmäligalle Scheu vor dem Gesetze ablegt, und auch die Liebe zu frem-den Lastern annimmt; und man kann bei dem Untergange dergrößten Staaten sehen, daß immer von diesen Grundursachen al-ler Verfall und alle Zerrüttung ausging. Billiger Weise müßtendaher gegen Alle die, welche solche Beispiele zur Nachahmungaufstellen, als gegen Vaterlandsfeinde, die härtesten Strafen fest-gesetzt werden.
Glaubt mir, das Vaterland wird bekriegt, es wird belagert,