Druckschrift 
5 (1830)
Entstehung
Seite
138
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138 Rede gegen die Modcsucht in der Kleidung,

nünftigen sich hinweg setzen, von Solchen muß man annehmen,daß sie nicht sowohl Menschen sind, als vielmehr nur untermenschlicher Gestalt thierische Neigungen verbergen. Meine Redegilt nur heilbaren Gemüthcrn, die Andern muffen durch öffent-liche Strafen zur Vernunft gebracht und gezügelt werden.

Bisher Hab' ich gezeigt, daß Thocheiten und Abgeschmackt-heiten in der Kleidung für Kennzeichen einer verdorbenen Denk-art zu halten sind. So wie aber Niemand, war' er auch un-schuldig, absichtlich das Brandmal sich zuziehen möchte, welchesdenen, die eines Verbrechens überführt sind, aufgebrennt zu wer-den pflegt, so, meine ich, müsse man auch, damit sie dem gu-ten Namen nicht schaden, jene Zeichen einer verächtlichen Den-kungsart fliehen. Aber solche abgeschmackte Possen thun nichtnur der guten Meinung Eintrag, sondern ein anderes, größeresUebel ist damit verbunden; denn unter die Verirrungen, welcheStaaten ihrem Verderben entgegen führen, muß namentlich auchdie Sucht nach dem Neuen sowohl, als nach dem Ausländischenin Bezug aus Kleidung gerechnet werden. Ich erbitte mir, in-dem ich darüber mich erklären will, Eure besondere Aufmerksam-keit. Denn Ihr werdet Ansehen, daß viele furchtbare Laster darinihren Ursprung haben; denn gleich wie die Zinsen eines Eapitalsstufenweise anwachsen, eben so gewinnt aus kleinen Anfängendie Dreistigkeit allmälig Kraft, bis sie alle Scham und alleFurcht vor göttlichem und menschlichem Rechte aus dem Herzengänzlich vertilgt. Keiner, sagt der Dichter, wird auf Einmalein ganz schändlicher Mensch, sondern stufenweise sinken die Sit-ten zum Schlechtem herab. Es bedürfte bei einer Sache, dieso klar vorliegt, keiner weitern Beispiele. Indessen, weil ich zuJünglingen rede, welche dem Studium der christlichen Lehre sichwidmen, so will ich Euch als Beispiel anführen, was Augu-stin in seinen Selbstbekenntnissen von seiner Mutter schreibt.Diese sei, erzählt ec, von ihrer Amme in ihrer Kindheit mitungewöhnlicher Sorgfalt zur Mäßigkeit erzogen worden, und ha-be, außer den gewöhnlichen Mahlzeiten, nicht einmal Wasser trin-ken dürfen. Als man die Amme gefragt, aus welcher Absichtsie dem Mädchen sogar das Wasscrtrinken verbiete, habe sie ge-antwortet: Lernen sie nicht in diesem Alter Durst ertragen, sowerden sie später als Hausfrauen, wenn ihnen Wein vollauf zuGebote steht, eben so unmäßig sich voll Wein füllen, als siejetzt Wasser trinken. Es ist demnach eine besondere Klugheit, denSamen zu Fehlern voraussehen, und in Zeiten ihn ertödten.