128 Rede übcr den Nutzen der Philosophie,
über die Erkenntnis; und übcr den Willen, nicht kennt. Undanmaßend handelt, wer sich für einen Dialektiker erklärt, wenner nicht jene Lheilungen der Materien kennt, die nur in derPhysik gelehrt werden, und die man ohne Physik nicht verstehenkann. Ucbcrhaupt gibt es einen gewissen Kreis der Wissenschaf-ten, in welchem alle eng unter einander verbunden und verknüpftsind, so daß man zu dem Verständnis Einzelner Vieles aus An-dern aufnehmen muß. Darum bedarf die Kirche jenes ganzenKreises der einzelnen Wissenschaften. Ich halte Niemand für soalbern, daß er nicht einsehen sollte, daß diejenigen, welche mitMoralphilosophie ausgerüstet sind, auch viele Materien in derchristlichen Religionswissenschaft glücklicher behandeln können. Dennda in beiden vieles Verwandte vorkommt, wie in Ansehung derGesetze, der bürgerlichen Sitten, der Verträge und vieler Lebens-pflichten, so kommt uns in der Philosophie nicht nur die Anord-nung und Methode, sondern auch die tiefere Auffassung der Ge-genstände selbst zu Statten; bei abweichenden Punkten aber bie-tet vergleichende Zusammenstellung wesentliches Licht. Ferner wieder Hinkende den Ball handhabt, so behandelt der die Moral-philosophie, dem die Kenntnis der Physik fehlt. Schon die Ge-schichte, genaue chronologische Berechnung, erfordert Mathematik.Aber auch dieser Zweig ist mit d^r Physik zu verbinden. Denndaraus geht, wie aus einer Quelle, fast Alles in der Physik her-vor. So ist es auch, um nichts Schlimmeres zu sagen, einegewisse Barbarei, jene herrliche Wissenschaft von der Bewegungder Himmelskörper, welche uns die Jahre und den Wechsel derZeiten bezeichnen, und viele wichtige, zukünftige Ereignisse anzei-gen, und uns heilsame Winke geben, zu verachten. Ich weißrecht wohl, daß eine andre Wissenschaft die Philosophie, eineandre die Theologie ist, und will keineswegs beide so ver-mischt wissen, wie der Koch viele Suppen zusammengicßt, son-dern der Thcolog soll ein Hilfsmittel bei der methodischen An-ordnung haben; auch wird er Vieles aus der Philosophie entleh-nen müssen. Will Jemand dieser ausgesprochenen Ansicht nichtGlauben beimessen, der betrachte' nur die Theologie unwissen-schaftlicher Leute, und erwäge bei sich, ob er glauben kann, daßes für die Welt ersprießlich sei, wenn eine solche verwirrte So-phistik, eine solche zweideutig schwankende Theologie in die Kircheeingeführt wird. Unwissenschaftliche nenn' ich aber nicht bloß,die ohne alle wissenschaftliche Bildung sind, wie die Wiedertäufer,sondern auch jene Albernen, welche zwar in glänzender Sprache