gehalten 1536.
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Sodann gibt es zwei Dinge, welche zu erwerben es großerund mannichfaltiger Gelehrsamkeit und langer Uebung in vielenTheilen der Wissenschaft bedarf; nämlich die Methode und dieForm der Darstellung. Denn Niemand kann Meister einer ge-schickten Methode werden, wofern er nicht wohl und tüchtig inder Philosophie, und zwar einer solchen bewandert ist, die, weitverschieben von der Sophistik, die Wahrheit in strenger Ordnungund auf geradem Wege erforscht, und dieselbe mittheilt. Dieje-nigen, welche in diesem Studium wohl bewandert, die Geschick-lichkeit sich erworben haben, Alles, was sie kennen lernen, oderwas sie Andern mittheilen möchten,' methodisch zu behandeln,wissen auch Untersuchungen über religiöse Gegenstände durch Me-thode zu regeln, verwickelte Materien zu entwickeln, aus einandergerissene zusammen zu ziehen, und über das, was dunkel undzweideutig, Licht zu verbreiten. Große und reichhaltige Gelehr-samkeit ist, wie Jeder weiß, der nur ein Wenig in der Wissen-schaft bewandert ist, zu dem zweiten, nämlich zur Anordnungder Gedanken erforderlich. Um aber diese Geschicklichkeit zu er-werben, bedarf es nicht geringeren Eifers. Ja sie wird Keinemzu Lheil, der nicht in mchrern Fächern der Philosophie heimischgeworden, ohne deren fleißige Uebung auch diejenigen, welche sichetwas mit der Dialektik beschäftigt haben, doch nur einen Schat-ten von Methode sich aneignen. Und Niemand greift öfter dasFehlerhafte und Sophistische auf, als gerade Solche, und un-geachtet sie sich dünken, geschickte Methodiker zu sein, so gehensie dennoch fern vom rechten Wege, und sind, um mich desHomerischen Ausdrucks zu bedienen, „blinde Wächter." Fernerbedarf es nicht nur wegen der Methode, oder wegen der uner-läßlichen Kunst, wie sie Plato nennt, die Gedanken schriftlichdarzustellcn, der Philosophie, sondern es muß auch der Theolog,wie schon gesagt worden, Vieles aus der Physik*) entlehnen, inwelcher die einzelnen Theile in einem solchen Verhältnisse stehen,daß cs für diejenigen, welche eine vollkommene Wissenschaft er-streben, nicht genug ist, einiges Wenige auszulesen, sondern manmuß die Wissenschaft, so viel möglich, in ihrem ganzen Umfangelernen. Ein großer Vorrath ist dem Theologen verschlossen, derjene gelehrten und tiefen Untersuchungen, über die Seele, überdie Sinne, über die Ursachen der Begierden und Neigungen,
*) Die Physik ward damals zu den drei Haupttheilen der Philosophiegerechnet, und umfaßre auch metaphysische, so wie psychologischeAusgaben.