Druckschrift 
5 (1830)
Entstehung
Seite
125
Einzelbild herunterladen
 

Rcde über de» Nutzen der Philosophie, gehalten 1536 . 125

über das Ansehen und den Nutzen der Wissenschaften zu sagen,welche die Philosophie sich zueignet, Hab' ich mir in meiner Rcdedie Aufgabe gestellt, zu zeigen: Es sei der Kirche freie, gelehrte

Bildung, und nicht nur die Kenntniß der Grammatik, sondernauch vieler anderer wissenschaftlicher Zweige, und namentlichVerständnis der Philosophie, Noth. Da wir nun überzeugt sind,daß dem so ist, so muß, wiewohl auch andre Gegenstände denRedner einladcn, doch jeder Wohlgesinnte den Zweck vornehmlich,und zwar mit allem Eifer, im Auge haben, seine Bestrebungender Förderung und Zierde der Kirche zu widmen; denn Nichtsdarf dem Edlen süßer sein, als der Ruhm der Kirche, Nichtsdarf ihm theurer sein, als sie. Dieser Grund muß uns ganzvorzüglich antrciben und erwecken, mit Aufbietung aller Geistes-kräfte eine vollendete Gelehrsamkeit zu erstreben, aus welcher fürden Staat, wie für die Kirche einiger Vortheil erwachsen könne.Wie cs für uns Lehrer keinen würdigem Gegenstand einer Redegibt, so ist auch für wohlgesinnte, aufstrebende Jünglinge Nichtsnützlicher, als daß sie ein Ziel, und gleichsam eine Krone desehrenvollsten Laufes im Geiste vor sich sehen, auf welche sie ihrStreben zu richten haben. Ueberdieß kann man auch den Werthder Wissenschaften selbst und ihren Einfluß nirgends mehr wahr-nehmen, als wenn wir sehen, wie sehr sie der Kirche noth sind,unter welcher Finsterniß Unwissenheit die Religion vergrabt, welche,Verwüstung, welche furchtbare Spaltungen der Kirchen, welcheBarbarei und Verwirrung des ganzen Menschengeschlechts sie er-zeugt. Will man dicß erlvagcn, so wird man erst beurtheileirkönnen, wie groß der Einfluß und der Werth der Wissenschaftenund der Gelehrsamkeit seien.

Obgleich aber keine Rede ersonnen werden mag, die solchenwichtigen Sachen entspräche, so müssen doch, da von unwissen-den Menschen oft nachtheilige Meinungen in Ansehung dieses Ge-genstandes verbreitet werden, die Jünglinge erinnert und ver-wahrt werden. Wiewohl nun solches täglich in den Vorlesungenvon den Lehrern geschieht, so muß doch eine von dieser Stätteherab im Namen Aller gesprochene Rede mehr Ansehen haben.Denn es das die gemeinsame Ueberzcugung aller dieser hochge-lehrten Männer in diesem Kreise, welche zu verachten wahrlichdie äußerste Anmaßung sein würde.

Da ich demnach über das, was dem Staate Bedürfniß undEuch selbst heilsam ist, sprechen, und diese meine Stimme diegemeinsame Überzeugung Aller Euch vortragen will, so bitte ich,