Druckschrift 
5 (1830)
Entstehung
Seite
122
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1 22 Rede über die Einnahme und Plünderung der Stadt Rom,

Beispiele Ihrer deutschen Vorfahren, noch das Ansehen der Stadt,noch die unermeßlichen Wohlthaten, welche dieselbe über alle Neutionen verbreitet hat, vermochten sie zu Schonung und Erbar-men zu bewegen.

Wer müßte cs nicht schmerzlich beklagen, daß die Stadt so !gräulich verunstaltet worden, welche einst, wie Virgil sagt:dasschönste unter den irdischen Dingen" gewesen, welche allein mehrBeispiele der Tugend, als alle andern Städte aller Orten aufge- jstellt hat, welche uns Gesetze, Wissenschaften, Humanität und alleedlen Künste, ja welche uns überhaupt Alles gegeben hat, waszu einem feinen Leben gehört, also, daß man diese Stadt zuallen Zeiten als die gemeinsame Vaterstadt aller Nationen verehrthat! Hatte nicht um so vieler Verdienste willen Rom verschontwerden müssen, auch wenn der Papst sich Etwas hatte zu Schul-den kommen lassen? Und das wüthige Heer rächt jetzt die Ver-gehung des Papsts durch frevelhaftes Morden in der Vaterstadt,indem es die verruchten Hände an die Stadt legt, welche unsAllen als Vaterstadt gelten muß! Denn Jeder von uns hatweit mehr Wohlthaten von ihr erhalten, als von der Stätte,welche bei seiner Geburt ihn aufnahm. Vor diese Stadt sind salle Streitigkeiten aller Völker gebracht worden. Sie war gleich-sam immer auf dem Wachtposten, um die Religion zu bewah-ren. Stets ist sie die Wohnstätte der gelehrtesten Männer ge-wesen. Sic hat alle edle Künste und Wissenschaften, als diesel-

ben aus Griechenland verbannt worden, gastlich ausgenommen!

In ihr sind vor Kurzem alle Zweige der Wissenschaft gleichsamwiedergeboren worden. Von dort aus sind sie in alle Länderverpflanzt worden, gleich wie einst von Triptolem das Gesämeder Früchte auf dem ganzen Erdboden ausgestreut ward. O derundankbaren Menschen, welche, wenn sic dwse Wohlthaten erken-nen, einer so hoch verdienten Stadt keinen Dank schuldig zu sein j

meinen! O der Unsinnigen, wenn sie dieselben nicht erkennen! '

Einige stellen die Fehler und Nachthcile, welche von dort herzu andern Völkern gekommen, gehässig zusammen. So handelt >der Schlaukopf, daß er nicht gern an das erinnert sein will,was er vergessen wissen möchte! Weit humaner wäre es gewe-sen, die Vortheile anzuerkcnnen, und um so vieler Wohlthatenwillen die Nachtheile zu vergessen, welche man, welcher Art sieauch sein mögen, wenigstens durch solche Mittel nicht verbessernwird. Niemand zweifelt, daß der, welcher dem Vater, wenner irgend eine Albernheit begangen, die Augen ausstäche, oder