Druckschrift 
5 (1830)
Entstehung
Seite
120
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120 Rede über die Einnahme und Plünderung der Stadt Rom,

menschlichen Anschläge und Thaten. Dieser wird die den Tem-peln, Büchern und ähnlichen Denkmälern der Religion zugefügteSchmach eben so rächen, wie er den assyrischen König bestrafthat, welcher die heiligen Gefäße aus Jerusalem weggcsührt undentweiht hatte. Auch scheint die Stimme eines gewissen Bap-tista, von dem man erzählt, daß er in Rom sowohl den Bür-gern vor ihrem unglücklichen Schicksale, als auch nachher denSiegern Drohungen verkündigt habe, nicht ohne den Wink desHimmels ergangen zu sein. Denn Ihr habt vermuthlich gele-sen, jener Baptista habe verkündigt, es werde geschehen, daß sie inKurzem den allenthalben zusammengerafften Raub wieder aus-speien würden. Denn Gott kann Verachtung seines Wesens,Uebermuth im Glück, und Grausamkeit gegen Hilflose nicht langeertragen. Ich vermag es hier gar nicht, zu sagen, wie grau-sam Jene in der ganzen Stadt gewürgt und gemordet haben.Auch mag ich gar nicht die aus den Umarmungen ihrer Aeltcrnsortgeschleppten Jungfrauen, nicht die ihren Gatten entrissenen,ehrbaren Frauen, nicht die hingeschlachtctcn Greise und Priestererwähnen! Denn wie unbeschreiblich die Zügellosigkeit jener frechenMenschen in der Stadt gewesen, kann man daraus bcurtheilen, daßdas Heer zwölf Tage lang gar nicht unter gewöhnlicher Kriegs-zucht und Befehligung gestanden hat. In einem solchen mehr-tägigen, gesetzlosen Zustande würde auch die übrigens ruhigeStadt allen Uebclthatcn des städtischen Pöbels ausgesetzt gewesensein. Eine wie weit schrecklichere Behandlung mußte sie erstvon Bewaffneten, von ihren Siegern erfahren! Denn es istsehr wahr, was im Euripidcs ein gewisser König sagt:Dergesetzlose Zustand eines Heeres sei furchtbarer als jede Fcuers-brunst!" Nirgends haben wir gehört oder gelesen, daß in einereroberten Stadt das siegreiche Heer einer solchen ungezügeltenWillkür überlasten gewesen, daß es so viele Tage lang von kei-ner Obrigkeit geleitet oder im Zaum gehalten worden wäre.

Wir wissen, daß Rom auch vorher eingenommen worden,zuerst von den Galliern, und viele Jahrhunderte hernach vonden Gothen. Aber weit schwereres Ungemach scheint cs dießMal erfahren zu haben. Denn die Gallier wütheten nur gegendie verlassenen Gebäude. Die Bürger hatten sich theils auf dasCapitolium zurück gezogen, zum Thcil waren sie zu den Vejerngeflohen, wo sie der Gelegenheit zu einem glücklichen Unterneh-men entgegen sahen. Rom verlor weder seine Burg, noch dieHerrschaft und Obrigkeit, weder seine Heiligthümer, noch seine