gehalten 1527.
119
je ersetzen kann! Wie viele Werke, die zur Aufhellung unserer Re-ligion dienen, und nirgends weiter zu finden sind, wie viele,Schriftsteller in andern edlen Wissenschaften mögen da verlorengegangen sein! Wem möcht' es nicht schmerzlich wehe thun,wenn die Anstrengungen so vieler Jahrhunderte, wenn so viele,von gelehrten Männern zum Heil der Nachwelt unter mühsamemFleiß durchwachte Nächte ein solches Loos gehabt haben! DerVerlust kunstreicher und geschmackvoller Bildsäulen oder Gemäldevon großen Männern, welchen wir, sei es wegen ihres künstleri-schen Werthes, oder wegen der Erinnerung an die, welche siedarstellen, wo möglich eine ewige Dauer wünschen möchten, istuns sehr schmerzlich. Um wie viel schmerzlicher müssen wir denUntergang so vieler großer Geister empfinden, welche wir nichtnur wegen der Schönheit ihrer Schriften bewundern, sondernauch wegen ihres hohen Nutzens lieben und schätzen! Denn ohnedie Kenntniß der edlen Wissenschaften und ohne Bücher kannkein Staat aufrecht erhalten werden. Wenn daher die Waffenzum Schutze aller Künste des Friedens geführt werden sollen,seht, wie schändlich hat da jenes Raubgesindel gehandelt, welchesdas, was vornehmlich mit den Waffen geschützt und vertheidigtwerden mußte, in einem neuen, unerhörten Wahnsinn zersplittertund zerstört hat. Stets haben gute Feldherrn befohlen, daß inden eroberten Städten Bibliotheken gleichen Schutz, wie Tempel,heilige Symbole, Altäre erhalten sollen: Jene haben, ich muß
glauben aus Haß gegen die christliche Religion, sich nicht ge-scheut, dieselben mit verruchter Hand zu zerfleischen und zu verder-ben! Es liegt aber am Tage, welchen Verlust das Gemeinwe-sen an jenen zerstreuten Bibliotheken erlitten hat, die man inkirchlichen Streitigkeiten gleich als Orakel zu befragen pflegte;nach welchen die Gesetzbücher, und überhaupt alle wissenschaft-lichen Werke verbessert wurden. Es kann aber ohne Vecbesserung der Wissenschaften und wissenschaftlicher Werke das wissen-schaftliche Streben nicht blühen. Und ist dieses erloschen, welcheBarbarei, welche Religionsverwirrung, welche politischen Zerrüt-tungen müssen dann bei allen Völkern cintreten! So berührtdenn dieses Unglück nicht diese einzige Stadt nur, sondern alleVölker, welche ohne die römischen Bibliotheken weder die Reli-gion, noch wissenschaftliches Leben aufrecht erhalten können.Doch cs wird gewiß nicht ungestraft jenen Räubern hingehen, soviele Schandthaten bei der Einnahme dieser Stadt begangen zuhaben. Das sieht Gott, der Beobachter und Richter aller