118 Rede über die Einnahme und Plünderung der Stadt Rom,
schont. Aber, o großer Gott, wie unähnlich ist dicß Heer unfernBorfahren! Wie weit ist es von der Mäßigung der Alten ab-geartet! Unsre Vorfahren wünschten nichts, außer den Ruhmdes Sieges heimzubringcn. Deßhalb beraubten sie keinen Ein-zelnen seiner Habe; geschweige, daß sie an heiligen Dingen sichhatten vergreifen sollen! Man hat ja auch die Beispiele vonEnthaltsamkeit gar nicht weit herzuholen. Wer hat gehört, daßim ganzen venetianischen Kriege vom Heere Maximilians eineStadt geplündert worden! Gewiß Keiner! Und Maximilianselbst, wie gelind er auch in der Bestrafung von Verbrechen war,ahndete doch die Habsucht der Krieger mit äußerster Strenge.Denn als in jenem Kriege nach der Eroberung von VincenzEinige gegen seinen Befehl in die Wohnungen einiger Bürgereingefallen waren, um Beute zu machen, so ließ er jene ganzeSchar auf der Stelle festnehmen, und mehr als Zweihundert?»die Köpfe abschlagen, um durch dieses Beispiel zu zeigen, daßdem Sieger gegen den Besiegten nicht Alles erlaubt sei.
Hier, Kaiser Karl, hast du ein Beispiel deiner Ahnen, wiedu über das Heer urtheilen mußt, welches durch Habsucht ge-schändet, alles göttliche und menschliche Recht verletzt hat. Ichweiß nicht, ob nicht unfern Leuten die Berührung mit den Spa-niern schadet. Diese haben, wie ich fürchte, Lehrer einer neuenZucht! Von diesen lernen sie, wie von Vorfechtern, Habsuchtund Grausamkeit! Aber Bibliotheken zu plündern, ist nicht min-der ruchloser Frevel am Heiligen, als Tempelraub. Denn sinddie goldenen Gefäße, deren wir uns bei den heiligen Handlun-gen bedienen, nicht unter die heiligen oder göttlichen Dinge zurechnen? Und sind dahin nicht auch die Bücher zu rechnen,welche die himmlischen Offenbarungen, welche die Religionslehrc,und andre hohe, von der Gottheit der Menschheit mitgetheilteWissenschaften enthalten? Nirgends aber gibt es reichere Bi-bliotheken, als in Rom gewesen sind. Dorthin sind Schriftstel-ler jeder Gattung von der ganzen Erde mit großen Opfern wak-kerer Päpste versammelt worden. Dorthin hat man sogar vorKurzem nach Alles gebracht, was sich in ganz Griechenland vonliterarischen Schätzen noch vorgefunden. Diese Denkmäler nun,welchen man eine ewige Dauer sichern wollte, sind, wie mansagt, durch die Wuth der Soldaten zum Theil verstümmelt wor-den, und nur zu wahrscheinlich ist, daß der unheilvolle Brand,indem er fessellos sich durch die Straßen gewälzt, auch die Bib-liotheken ergriffen hat! O ein Verlust, den kein Jahrhundert