Druckschrift 
5 (1830)
Entstehung
Seite
112
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112 Rede b. d. feierl. Eröffnung einer neuen Schule in Nürnberg rc. 1526.

wachsen wird. Aber Ihr werdet sie besiegen, eingedenk, daß Ihrin dieser Angelegenheit Gottes Willen thut. Denn Religionund heilsame Gesetze, wofern Ihr sie nicht durch die Wissen-schaften erhaltet, können nicht bestehen. Ueberdieß ja fordert Gott,daß Ihr Eure Kinder zur Tugend und Religiosität erziehen sollt.Es ist aber derjenige ein Frevler nicht nur gegen die Gottheit,sondern verbirgt unrer menschlicher Hülle eine wahrhaft thierische Ge-sinnung, wer cs sich nicht zur Angelegenheit macht, seine Kindermöglichst gut unterrichten zu lassen. Diesen Unterschied hat dieNatur zwischen dem Menschen und dem Thiere gemacht, daßdas Thier der Sorge für seine Jungen sich entzieht, so bald sieerwachsen; dem Menschen aber pflanzte sie ein, daß er, die ergezeugt, nicht nur in der ersten Kindheit ernähre, sondern viel-mehr noch, wenn sie erwachsen, ihre Sitten zur Sittlichkeit bilde.

Daher bedarf es in einem wohlgeordneten Staate allermeistder Schulen, wo die Jugend, die Pflanzschule des Staates, ge-bildet werde; denn in einem großen Jrrthum befangen ist, werda wähnt, daß ohne Unterricht eine kräftige Tugend erworbenweroen könne, und Keiner ist den Staat zu verwalten tüchtigund geschickt, ohne Kenntniß der Wissenschaften, in welchen dasGrundprinzip aller Staatsverwaltung enthalten ist. In Erwä-gung dessen werdet Ihr Euch weder durch gehässigen Neid, nochdurch irgend andere Schwierigkeiten abhalten lassen, Eure Bür-ger zum Unterricht einzuladcn.

In Betreff Eurer Professoren kann ich Euch so viel verspre-chen, daß sie, so wie ihre Gelehrsamkeit der übernommenenBürde gewachsen ist, nicht minder in der Verwaltung IhresBerufs Treue und Gewissenhaftigkeit beweisen werden. Ichflehe zu Ehristo, Er wolle Euer wichtiges Werk mit SeinerGnade fördern und Euer Vorhaben, so wie den Fleiß der Ler-nenden mit Seinem Segen begleiten.