Druckschrift 
5 (1830)
Entstehung
Seite
107
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Rede b.d.fcierl. Eröffnung einer neuen Schule in Nürnberg ic. 1326. 10ff

Beredffamkeit muß ich besorgen, ich möchte aus Mangel an gei-stigem Scharfblick das Lob verringern, das Euch wegen Eurerungewöhnlichen, ich möchte sagen, göttlichen Weisheit gebührt.Daß Ihr nämlich die Nothwendigkeit erkannt habt, die Kraftund den Nutzen der Wissenschaften, welcher insgemein verkanntwird, und weit außer dem Gesichtskreise der Menge liegt, zu er-halten; daß Ihr beschlossen, gerade in dieser Zeit, wo wir allent-halben gefährdet sind, sie dem Untergange zu entreißen, in derThat, das verdient als ein Zeichen göttlicher Weisheit zu gelten.Denn was bringt dem ganzen Menschengeschlechte größere Vor-theile, als die Wissenschaften? Keine Kunst, kein Gewerbe, undwahrlich, auch kein Produkt der Erde, ja die Sonne selbst, welcheViele für das Lebensprincip gehalten haben, ist nicht so unent-behrlich, als die Kcnntniß der Wissenschaften. Denn wenn ohneGesetze und Rechtspflege, wenn ohne Religion weder ein Staataufrecht erhalten, noch ein gesellschaftlicher Verein von Menschenbegründet und geregelt werden kann, so würde das Menschenge-schlecht nach der Weise der wilden Thiere umher schweifen, wo-fern jene untergingen, aus denen heilsame Gesetze, Menschlich-keit und Sitte entsprossen, durch welche die Religion fortgcpflanzt,und bis aus unsere Zeiten bewahrt worden ist. Sollte JemandZweifel in die Wahrheit meiner Aussage setzen, der betrachte nurdie Sitten und die Lebensweise solcher Völker, welche keine Wis-senschaften kennen, wie man von den Scythen erzählt. Diesehaben für's Erste keine gesetzlich begründeten Staaten, keineRechtspflege; als Recht gilt nur das, was die gethan, welcheentweder durch Stärke oder durch Anhang die Andern überwie-gen; da findet nach Außen kein Verkehr mit Nachbarn, keinAustausch der Güter Statt; das einzige Mittel gegen den Hun-ger ist für die Mehrzahl der Raub; ja die Sage läßt sie sogardas Fleisch der Fremdlinge verzehren. Im Innern aber gibt esnicht nur überhaupt weder Zucht noch Sitte, sondern die Em-pfindungen sogar, welche die Natur allen Menschenherzen ge-meinsam eingepflanzt hat, eheliche Treue, Liebe zu den Kindern,Innigkeit zwischen Verwandten und Freunden, sind durch Roh-heit und Barbarei erstickt. Da weiß man Nichts von Kinder-zucht, ohne welche es doch keine guten Männer geben kann; dagibt's keine Bewunderung der Tugend, keinen Begriff von dem,was ehrbar und wohlanständig ist, da keine, durch heilige Pflich-ten verknüpfte Freundschaftsverhältnisse, da kein Gefühl fürMenschlichkeit, da endlich keine richtige Vorstellung von Religion