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5 (1830)
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100 Rede, gehalten bei dem Begräbnis des Kurfürsten

mereien ganz verfinstert war. Als aber spater die christliche Lehregeläutert zu werden begann, und gleichsam von Neuem auflebte,da richtete er seinen ganzen Geist darauf, sie vollkommner kennenzu lernen, um nicht ohne Grund Etwas anzunehmen, oder zuverdammen. Da ec die Kraft der Religion kennen gelernt, er-griff er mit ganzer Seele das, was er zur Bildung des Herzensund zur Nahrung der Frömmigkeit für wirksam hielt. Mit denmüßigen Streitigkeiten aber, welche die Erbauung nicht fördern,mochte er sich nicht befassen, und hütete sich sorgfältig, in Be-treff öffentlicher Gebräuche, weil er sah, daß einige unlautereMenschen, alle öffentliche Zucht und Ordnung höhnend, unterdem Vorwände der evangelischen Freiheit gleichsam in wilde Thieresich verwandelten, ohne Grund Etwas zu ändern, damit nicht dieEinfältigen durch sein Beispiel zu sündigen verleitet würden. Denner hatte die Ueberzeugung, daß, wie es sich in der That auch verhält,eine öffentliche Aenderung der allgemeinen Weise gefahrvoll sei.

Indem er nun so, wie ich eben erwähnte, von der Religiondachte, und in seinen Ländern die reine Verkündigung derselbengestattete, mein Gott! welche Beharrlichkeit galt es da, welcheGeistesstärke, den Feindseligkeiten gegenüber zu treten, die impäpstlichen Reiche loderten, die Blitzstrahlen der Päpste und dieDrohungen der mächtigsten Könige zu besiegen, die Schmähun-gen des Volks und des Pfaffenhaufens, der aus der Religionein Gewerbe machte, mit Gleichmuth zu ertragen! Dort hat ergenugsam bewiesen, daß er Christum wahrhaft und von Her-zen liebte, indem er Sein Zeichen sich aufbrennen ließ, und SeinMalzeichen an seinem Leibe trug, d. h. indem er nach ChristiBeispiel sich selbst zerfleischen ließ. Denn jene Angriffe seinerFeinde, was waren sie Anderes, als eine unaufhörliche Marter?Welches Eremiten Fastenübungcn und Nachtwachen getraust dudich wohl mit solchen Anfechtungen zu vergleichen? Wahrlich,Hiskias selbst ist nicht heftiger bedrängt worden, obwohl dieFeinde Jerusalems Mauern cingeschloffen hielten. Auch unserFürst sah mehr als Einmal Kriegsrüstungcn gegen sich betreiben,und sich das Schwert gleichsam an die Kehle setzen. Aber inder Ueberzeugung, daß die Sache der Religion durch menschlicheKraft nicht aufrecht erhalten, noch vertheidigt werden möge, un-ternahm er nichts dagegen, sondern empfahl seine und seinesVolkes Wohlfahrt dem Schutz Gottes. Und wie ein wackererHeld bei dem Dichter sagt:

Was dich auch dränget, besiege durch Dulden jegliches Schicksal,"