88 Historie vom Leben und Geschichten Dr. Martin Luthers/
und Vermögen, sondern auch durch göttliche Erleuchtung also re-giert und geführt worden sei, daß er beständig bei seinem Be-fehl geblieben und sich nicht weiter eingelassen hat.
Nun hat er nicht allein die aufrührerischen Lehrer unsrer Zeit,als Münzern und die Wiedertäufer, gescholten und verworfen,sondern auch alle die, so unverschämt und vermessen gewesensind, daß sic in ihren Decreten und Satzungen haben dürfensetzen: St. Peter habe eben sowohl Gewalt und Befehl gehabt,das weltliche Regiment zu führen, als das Evangelium zu lehren.In Summa, er hat alle Menschen vermahnet, daß sie Gottgeben, was Gottes ist, und dem Kaiser, was des Kaisers ist,das ist, daß sie Gott dienen in wahrer Reu' und Leid über ihreSünden; in rechtem Ernst und Eifer, die wahre Lehre zu fassenund zu behalten, in wahrer Anrufung durch das Gebet; und inallem Gehorsam, dadurch ein gutes Gewissen behalten wird.Desgleichen, daß ein Jeglicher der weltlichen Obrigkeit in allembürgerlichen Gehorsam, mit Jucht und Ehrerbietung, als vonGottes wegen, unterthan wäre. Solcher Lehre ist er auch selbstnachgekommen; denn er hat Gott gegeben, was Gottes ist;hat eine rechte Lehre geführt; hat Gott recht angerufen, und hatsonst viel andere Lugenden an sich gehabt, die einem frommenMenschen, der Gott gefallen soll, zugchören, und in seinem äu-ßerlichen Wandel hat er beharrlich und mit Fleiß vermieden alleAnschläge und Vornehmen, so zu Aufruhr dieneren. Diese Tu-genden halt' ich für das größeste Kleinod, das Einer in diesemzeitlichen Leben wünschen möchte. Wiewohl nun dieselben an die-sem Mann hoch zu loben wären, dieweil er sich der GabenGottes also weislich und maßiglich gebraucht hat, so solle mandoch Gott darum am meisten danken, daß Er uns durch ihn dasLicht Seines heiligen Evangeliums wieder angczündet hat, undsollen solche Lehre behalten und nicht in Vergefsung kommen las-sen, sondern erweitern und je mehr und mehr forttreiben. Undes sicht mich gar nicht an, daß ruchlose, epikurische oder heuch-lerische Leute wider uns rufen und schreien, und die öffentlicheWahrheit entweder verlachen, oder gar lästern und verdammen;sondern ich halte es für gewiß, daß die Lehre, so in unfernKirchen gehört und gepredigt wird, sei der allgemeinen KircheGottes einmüthige Lehre und Meinung für und für gewesen,und daß diese Lehre Alle wissen müssen, die Gott recht anrufcnund christlich leben wollen. Und zuletzt, daß cs sei cbm dieLehre, von welcher der Sohn Gottes spricht: „Wer Mich liebet,