84 Historie vom Leben und Geschichten Dr. Marti» Luthers,
Hebt erstlich cm von kleinem Leid
Und bald hernach sich weiter ausbreit't.
Denn es war ja Herzog Friedrich unter allen Fürsten unsererZeit zu gemeinem Frieden sonderlich geneigt, und suchte in allenAnschlägen gar nicht seinen eigenen Nutzen, sondern vornehmlichgemeine Wohlfahrt der ganzen Welt, wie man in vielen Sachenspüren kann; also, daß man nicht kann argwohnen, daß er Lu-thern verhetzt oder sonst gestärkt habe; sondern hat oft zu ver-stehen gegeben, daß er sich der Sache hoch bekümmert und grö-ßere Zwietracht besorgt habe. Weil er aber doch ein weiser Fürstwar, und nicht allein Weltweishcit brauchte, nach welcher mangemeiniglich keine Neuerung leiden will, sondern dieselbe gleichvon Anfang sich unterstehet, mit Gewalt zu unterdrücken;sondern auch Gottes Wort zu Rache nahm, welches uns heißet,das Evangelium hören, und der öffentlichen Wahrheit nicht muth-willig widerstehen, und nennet solchen Muthwillcn eine Gottes-lästerung, die Gott zum Höchsten verdammet. Um dieser Ursach'willen thal er auch, wie viel fromme und vernünftige Leute mehrthun, und wich nicht von unserm Herrn Gott, las auch fleißigallerlei Bücher, und was ihm dünkte der Wahrheit gemäß zusein, wollte er nicht Helsen unterdrücken. So weiß ich, daß eroft weise gelehrte Leute gefragt, was sic von dem Handel hiel-ten, und auf dem Reichstage, den der Kaiser zu Eöln gehalten,nachdem er gekrönt worden, hat er Erasmum Roterodamumfreundlich gebeten, er wollte ihm frei und uuverholcn sagen, ober mcinete, daß Luther unrecht hätte in den vornehmsten Stük-ken, davon er gehandelt hat. Da hat Erasmus öffentlich ge-sagt, Luther habe eine rechte Meinung; allein er möchte wohlwünschen, daß er etwas glimpflicher handelte. Daraus hat her-nach Herzog Friedrich Luthero ernstlich geschrieben, und ihnhoch ermahnet, er wolle sich seines scharfen Schreibens mäßigen.Auch ist das offenbar, daß Luther dem Cardinal von Cajctan hatwollen verheißen, still zu schweigen, in sofern, daß die Wider-sacher auch also thäten. Daraus man öffentlich siehct, daß er zurselben Zeit noch nicht im Sinn gehabt, hernach einen neuenZank anzuheben, sondern Ruhe und Frieden gesucht; daß er aberdarnach je länger je weiter gekommen ist, das haben ungelehrteLeute gemacht, die ihm mit ihrem Schreiben wider ihn Ursachgegeben haben. Denn daher sind darnach kommen allerlei Dis-putationen und Gezänkc, als vom Unterschied göttlicher und mensch-licher Gebote, vom gräulichen Mißbrauch des Nachtmahls des