Druckschrift 
5 (1830)
Entstehung
Seite
82
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82 Historie vom Leben und Geschichten Dr. Martin Luthers,

liche Frömmigkeit vor Gott gerecht würden, wie die Pharisäergelehrt haben. Also hat Luther die Herzen der Menschen wie-derum zu dem Sohne Gottes gezogen, und sie, gleichwie Jo-hannes der Täufer, auf das Lamm Gottes, das unsre Sündegetragen hat, gewiesen, und angezcigt, daß die Sünden ohneVerdienst verziehen werden, allein um des Sohnes wil-len, und daß solche Güte durch den Glauben müsse gefas-set werden. Darnach hat er die andern Artikel unsers christlichenGlaubens auch nach einander erkläret, und also an nützlichen und-thigcn Stücken angefangen, dadurch er ein großes Ansehen be-kommen, sonderlich dieweil auch sein Leben der Lehre gleich, undseine Lehre nicht bloße Worte waren, sondern Jedermann sähe,daß er es von Herzen also meinte. Denn solcher Ruhm an einemLehrer, seines ehrlichen Wandels halben, bringt bald große Gunstbei den Zuhörern, wie auch ein alter griechischer Spruch lautet:ein ehrbarer Wandel behält den besten Glauben.

Daher ist auch gekommen, daß ihm darnach viel ehrlichefromme Männer nicht zuwider gewesen, sondern ihm vielmehrbcigcstanden sind, da er angcfangen hat, die alten Ceremonieenund Kirchengebräuche zu ändern; denn sie hatten ihn erkannt, undgesehen, daß seine Lehre und Leben gerecht war, und bisher dieWelt in denselben Stücken jämmerlich wäre verführt worden.

Wiewohl Luther zur selben Zeit noch nichts in Ceremonieengeändert hatte, sondern hielt selbst ganz strenge Ordnung unterden Seinen. Hat auch die schweren und spitzigen Fragen, die inden Schulen getrieben werden, nicht mit eingesührt, sondern al-lein die gemeinen nothwendigcn Lehren von der Buße, von Ver-zeihung der Sünden, vom Glauben, vom rechten Trost in Zeitder Trübsal, alle Zeit fleißig erklärt, und Jedermann gelchret;daran auch alle fromme und gottessürchtige Herzen eine großeFreude hatten, und war auch den Gelehrten lieb, daß Christus,sammt den Propheten und Aposteln, die vorhin, als in einemfinstern Kerker gefangen gelegen und verschimmelt waren, einmalwieder hervor kamen, und die Leute lerneten, was für Unter-schied wäre unter dem Gesetz und seinen Verheißungen und demEvangelio und seinen Verheißungen; item, unter menschlicherund evangelischer Lehre, unter geistlicher und weltlicher Frömmig-keit, davon man wahrlich in Thomas und Scotus SchriftenNichts findet. Es halfen aber auch Ecasmi Rotcrodami Bücherwohl dazu, dadurch allenthalben die Leute bewegt worden, daßsie großen Fleiß aus die lateinische und griechische Sprache wen-