durch Dr. Philipp Mclaiichtho». 1546 . '??'
in die Schule getragen, als er noch klein gewesen; welcher dennauch noch lebt und diesem Schreiben mag Zeugnis geben.
Nun waren aber zur selbigen Zeit in den sächsisch-m Städtenziemlich gute Schulen, darin man die Grammarik lehret; darumauch Martinus Luther, als er in sein vierzehntes Jahr ging,gen Magdeburg geschickt worden ist, mit Johann Rei-nickcn, welcher darnach ein trefflicher Mann geworden, und indiesen Landen um seiner Tugend willen großes Ansehen bekommenhat, und haben auch darnach sie zwei einander allezeit lieb ge-habt, vielleicht daher, weil sie von Jugend auf einander gewohntgewesen, oder daß sich sonst ihrer Beider Natur mit einander sowohl verglichen hat. Es ist aber Luther nicht langer denn EinJahr zu Magdeburg geblieben; darnach ist er zu Eisenach indie Schule gegangen zu einein Manne, der die Grammatika baßgelehret hat, denn sonst der Gebrauch gewesen; denn ich weißmich noch zu erinnern, daß Lucher seliger denselben rühmet seinerLehre und Verstandes halben. Nun war er aber daselbst hin derUrsach halben geschickt worden, daß seine Mutter daselbst herumvon einen, alten ehrlichen Geschlecht gcvoren war, und hat auchallda seine Grammatik ausgclernet.
Und nachdem er eines sehr guten Verstandes gewesen undsonderlich geneigt zum Wohlreden, hat er alsbald angefangen inseinen Schriften alle Worte wohl zu setzen, und ein Ding wcit-lauftig zu handeln; und ist also in diesem Stück und auch in.lateinischen Versen zu schreiben, seinen Gesellen weit überlegengewesen. Da er nun gemerkt, wie ein lieblich Ding es wäre umdie Lehre, hat er alsbald aus brünstiger Begier zu lernen, Lustzur hohen Schule bekommen, dieweil ec hielt, daß aus derselben,als aus einer Vcunnquelle, alle Künste hcrflössen. Hätte auchseinem hohen Verstände nach alle solche Künste nach einandermögen begreifen, wo er nur geschickte Lehrer bekommen, welchesvielleicht auch dazu gedient hätte, daß durch solche freundliche undsittige Lehre der rechten Philosophie, und durch seinen Fleiß, dener halte, wohl und geschicklich zu reden, sein heftiger und ernsterMuth, so ihm angeboren, etwas gelindert worden wäre.
Nun ist er aber gen Erfurt gekommen, und hat daselbst dieDi.-ilevtica (welche Kunst vornehmlich lehret recht und wohl dispu-tiren) also müssen lernen, wie sie damals gclehrct ward, das ist,dunkel und verworren genug, doch hat er dieselbe bald gefastet;denn er eines solchen scharfen Verstandes gewesen, daß er Grundund Ursach derselbigcn Lehre besser, denn die Andern, hat können