- 0 Historie vom Leben u»d Geschichten Dr. Marti» Luthers,
solche Historien glaubwürdiglich würde erzählt haben. So wärees ja auch lächerlich gewesen, daß er von sich selbst hätte fremdeDinge gedichtet und ausgebracht, wie die Poeten in ihren Fa-beln zu thun pflegen, da er doch wohl gewußt, daß noch vielfrommer und verständiger Leute lebten, die den ganzen Handelgenugsam erkannt hatten.
Dieweil er denn nun von dem Tode übereilt worden, ehedenn er solche Historien hat an den Tag gegeben; so will ichdavon treulich und mit Wahrheit schreiben, was ich zum Thcilvon ihm gehöret, zum Theil selbst gesehen habe:
Es ist in der Wohlgebornen Herrn und Grafen von Mans-feld Herrschaft ein alt und groß Geschlecht ehrlicher Leute, dieeinen ziemlichen Stand geführt haben, genannt die Luther.Daher sind auch Martin Luthers Aeltern gewesen; die haben erst-lich ihre Wohnung in der Stadt Eisleben gehabt, da auchMartin Luther geboren ist; darnach sind sie gen Mansfeldgezogen; daselbst ist sein Vater, Johann Luther, in's Regi-ment gekommen, und ist um seiner Redlichkeit willen bei allenfrommen Leuten lieb und werth gehalten worden. Seine Mutter,Margaretha, Johann Luthers Eheweib, hat viel Tugendenan sich gehabt, die einer ehrlichen Frau zustehen, und ist inson-derheit berühmt gewesen ihrer Zucht, Gottesfurcht und fleißigenGebetes halben, daß auch alle andere ehrliche Weiber auf sie,als auf ein Epempel und Vorbild der Tugend und Ehrbarkeit,sonderlich gesehen haben.
Dieselbe, als ich sie oftmals gefragt, zu welcher Zeit ihrSohn wäre geboren worden, hat sie mir gesagt, des Tags undStunde sei sie wohl gewiß, aber an der Jahrzahl habe sie Zwei-fel, und sagt, er wäre geboren worden am zehnten Tage desNovember in der Nacht nach elf Uhr, und wäre das Kind darumMartinus geheißen worden, daß der nächste Tag hernach, da esdurch die Taufe der Gemeine Gottes eingeleibt worden sei, St.Martinus Fest gewesen wäre. Aber sein Bruder Jakob, ein from-mer aufrichtiger Mann, sagt, die Freundschaft hätte es allwegealso gehalten, daß sein Bruder geboren wäre worden im Jahrnach Ehristi Geburt 1483. Nachdem nun gemeldter, ihr SohnMartinus, des Alters gewesen, daß er hat mögen Etwas fas-sen und lernen, haben ihn die Aeltern im Hause fleißig gehaltenzu rechter Erkenntniß und Furcht Gottes, und zu Uebuug andrerTugend, und nach gemeinem Brauch ehrlicher Leute lasten Schrei-ben und Lesen lernen, und hat ihn Herr Georgen Aemilii Vater