am 22. Februar 1546.
67
Daß aber etliche, auch gutherzige Leute, je zu Zeit geklaget,Dr. Luther war' etwas zu hart und rauh gewesen im Schreiben,davon will ich Nichts disputiren, weder ihn zu entschuldigen nochzu loben, sondern lass' es bei der Antwort, die hiervon Erasmusoft gegeben: „Gott habe der Welt zu dieser letzten Zeit, in dergroße und schwere Seuchen und Gebrechen überhand genommen,auch einen harten, scharfen Arzt gegeben."
Und so Gott ein solches Werkzeug wider die Feinde des Evan-gclii, so mit großem Stolz, Frechheit und Frevel wider die Wahr-heit laufen, erwecket, wie Er zu dem Propheten Jeremia 1.spricht: „Siehe, Ich habe Meine Worte in deinen Mund ge-legt, daß du ausreißen, zerbrechen, zerstören und verderben sollst,und pflanzen und bauen rc."; und so Er sie also mit Dr.Luthers harten Schriften hat schrecken wollen, so mögen sie Gottdarum zu Rede setzen, werden aber vergeblich mit Ihm darüberrechten. Gott regieret Seine Kirche nicht nach menschlichem Rathund Weisheit, und macht Seine Werkzeuge, so Er erwecket,nicht aller Dinge gleich; das ist aber allezeit, und bei Allenalso, daß gemeine, cingezogene und sittige Leute nicht Gefallenhaben an großer Heftigkeit an Andern, sie seien gut oder böse;als Aristides zu Athen, da er sähe, wie Themistokles mit großerFreudigkeit sich der Regierung unterstand, und ihm glücklich fort-ging, wiewohl ec seinem Vaterlande solche Wohlfahrt gern gön-nete, befleißigte er sich doch, so viel er konnte, die große Ge-schwindigkeit in Themistokles zu mäßigen, und im Zaum zu hal-ten. So will ich auch nicht verneinen, daß ihm solche großeheftige Leute bisweilen zu Viel thun, denn es ist doch in dieserschwachen, elenden Natur und menschlichem Leben Niemand ohnealle Gebrechen; aber doch, wo etwa ein solcher Mann ist, wiedie alten Griechen von Herkules, Cimon und dergleichen gesagthaben, der nicht allezeit höflich, aber sonst ein aufrichtiger, from-mer, redlicher Mann ist, der ist billig als ein ehrlicher, theuererMann zu loben, und wo er in der Kirche sich zeigt, wie St.Paulus sagt, als: „der ritterlich streitet, und behalt den Glau-ben und gut Gewissen", so ist er auch Gott gefällig und vonden Leuten aller Ehren werth zu halten.
Nun wissen wir, daß Dr. Luther ein solcher Mann gewesen;denn er hat ob der reinen Lehre beständig und mit treuem Fleißgestritten, und sie allezeit vertheidiget, so hat er auch ein gutes,aufrichtiges, unverletztes Gewissen behalten. So muß auch einJeder, der ihn recht erkannt, und oft um ihn gewesen, dieses