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Rede über der Leiche De. Marlin Luthers,
zeugen, daß er ein sehr gütiger Mann gewesen, und wo er un-ter Leuten gewesen, mit allen Reden holdselig, freundlich undlieblich, und gar nicht frech, stürmisch, eigensinnig und zänkisch,und war doch daneben ein Ernst und Tapferkeit in seinen Wor-ten und Gebehrden, als in einem solchen Manne sein soll.Summa, es war in ihm das Herz treu und ohne Falsch, derMund freundlich und holdselig, und, wie St. Paulus von denChristen fordert, „Alles, was wahrhaftig, was ehrbar, was ge-recht, was keusch, was lieblich ist, was wohl lautet." Daher istoffenbar, daß die Härtigkeit, so er wider die Feinde der reinenLehre in Schriften gebraucht, nicht eines zänkischen und boshaf-ten Gemüthes, sondern eines großen Ernstes und Eifers für dieWahrheit gewesen ist. Solches müssen wir Alle und viele anderefremde Leute, die ihn gesehen und erkannt, von ihm Zeugnis;geben.
Welch' eine schone und herrliche Rede wäre hiervon zu thun,wenn ich mir vorgenommen hätte, dieses Mannes Lob zu rüh-me», und nach der Länge zu erzählen die ganze Historie seinesLebens, so er in drei und sechzig Jahre gebracht: mit stetem,großem, ernstem Fleiß und Uebung in Gottesfurcht, Glauben,Anrufen Gottes und andern christlichen Tugenden; item in allenguten und nützlichen Studien und Künsten! Es ist nie kein un-züchtiges Wesen oder andere Untugend an ihm gespüret und be-merkt; cs ist kein' Wort, das sich zu Aufruhr und Empörungziehen möchte, jemals von ihm gehöret worden, sondern hat alle-zeit treulich zur Versöhnung und Frieden gerathcn und geholfen;er hat nicht andere fremde Händel in die Ncligionssachen gc-mcnget, oder Ränke gesucht, seine oder der Seinen Gewalt zustärken. Solche Weisheit und Tugend ist so groß und seltsam,daß sie nicht allein durch menschliches Vermögen und Fleiß kannzuwege gebracht werden, sondern cs gehöret göttliche Gnade undGabe dazu, die besonders solche hohe Leute, so von Natur hefti-gen, hohen und brennenden Muth haben, wie Dr. Martin Lu-ther gewesen, im Zaume halte.
Es würde zu lange, von andern seiner Tugenden zu sagen;doch will ich etliche anzeigen: Ich bin selbst oft dazu gekommen,daß er mit heißen Thränen für die ganze Kirche sein Gebet ge-sprochen; denn er nahm sich täglich besondere eigene Zeit undWeile, etliche Psalmen zu sprechen, darunter er mit Seufzenund Weinen sein Gebet zu Gott mengete, und ward oft in täg-lichen Reden unwillig über die, so da ans Faulheit, oder von