Druckschrift 
5 (1830)
Entstehung
Seite
57
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Philipp Melanchthon. 1539. 57

nur den Wissenschaften überhaupt, sondern namentlich auch derReligionslehre Licht und Aufklärung. Aber von einem gewaltigenSchlage plötzlich erschüttert, begann dieser edlere Eifer wieder zuerschlaffen, weil er den Mächtigen verhaßt war. Da nun aberdas menschliche Leben überhaupt, und die Kirche die Wissenschaf-ten durchaus nicht entbehren kann, so mußt Du, so müssen Alle,die mit Dir auf gleicher Stufe stehen, alle Kräfte und An-strengungen dahin vereinigen, daß Ihr in dieser Beziehung denWissenschaften und der Kirche zu Hilfe kommt.

Jede Zeit hat ihr besonderes Ungemach, welchem abzuhclfcnvorzugsweise Denen obliegt, die am meisten Ansehen und Einflußbesitzen, und es ist ganz wahr, was Virgil sagt: Das mensch-liche Leben sei einer Schifffahrt gleich, die stroman gehe, wo,sobald die Ruderer nur ein Wenig feiern, sogleich der Andrangdes Stromes das Fahrzeug zurück drängt. Du kennst ja dieWorte *):

So eilt nach dem SchicksalAlles zum Schlechteren hin, fortwährend sich neigend zum Rückfall.Wie wenn der Schiffer den reißenden Wellen entgegen de» NachenTreibet mit Rudcrschlag; kaum sinken ein Wenig die Arme,Abwärts schleudert ihn eilends des Flusses gewaltige Strömung.

Aber Euch liegt es ob, mit unablässiger Anstrengung und allenKräften gegen die Schwachheit anzukämpfcn, und Trotz der mäch-tigsten Schwierigkeiten doch die gute Sache zu fördern. Dasist wahrhaft hcldcnwürdig. So wirst Du denn, so viel nurmöglich, Dich bemühen, daß die edlen Wissenschaften nicht untec-gehen, sondern uns erhalten werden. Glaube mir, die Fürstenerwerben sich das herrlichste Verdienst um die ganze Kirche, welcheihre Macht und Ansehen zur Aufrechthaltung der Wissenschaftenverwenden, und kein Triumph bietet mehr wahren Ruhm,

Lebe wohl. Den 23. März 1539.

9 Vii-x. «ooi-x. I, 203 fgg.