Druckschrift 
5 (1830)
Entstehung
Seite
56
Einzelbild herunterladen
 

56 Dem Hochgcborncn edlen Grafen Joh. v. Weda ec.

Geschäfte Dir zu Gebote stehen werden, wenn Du mit tüchtigerKenntniß der Religion, der Geschichte und der menschlichen Kultur iüberhaupt ausgerüstet sein wirst. In welche Wissenschaften undSchriftsteller Du aber vorzugsweise eindringen, zu welchen ZweckenDu jede insbesondere Dir zu eigen machen, mit welcher Be-schränkung Du eine jede studiren müssest, damit nicht Verwirrungund Unordnung das Urtheil verkümmere, wenn zur Unzeit das ,Heilige mit dem Profanen vermischt wird, darüber brauche ichNichts hinzuzufügen. Du hast ja einen beständigen Rathgeber andem durch seine Einsicht und treue Anhänglichkeit gleich schätzens-werthen Medmann, der gewiß eben so tüchtig die Principien derWissenschaften Dir beibringen, als über ihre Anwendung im Le-ben Dich unterrichten wird. Wiewohl nun auch dieser Dich flei-ßig daran erinnern wird, welche Ursachen den wissenschaftlichenEifer in Eurem Stande anregen sollten, und welche KenntnisseEuch insbesondere Noth thun, so ergriff ich doch, als mich dierühmliche Erwähnung Deines Charakters und Deiner Bildungso begeistert hatte, daß ich es mir nicht versagen konnte, einenBrief an Dich zu richten, gerade dieses als Stoff, um Dichzu überzeugen, daß mit Medmanns Urtheil auch die Ansicht An-derer übcreinstimme.

Zuletzt empfehle ich Dir noch die Angelegenheiten des öffent-lichen Unterrichts; denn die Wissenschaften leiten den Gang desMenschenlebens in vieler Hinsicht; sie begreifen die Rcligionslehre,Gesetze, alle Pflichten der gesellschaftlichen Mcnschenverhältnisseund überhaupt viele Hilfsmittel des Lebens in sich. Daher habenvon jeher weise Staatsmänner es als ihre wesentliche Obliegen-heit betrachtet, Wissenschaft und Gelehrsamkeit, welche bei derso großen Schwachheit, Unzuverlässigkeit und Verkehrtheit desmenschlichen Geistes auf vielfache Weise gefährdet sind, anzuregenund zu fördern.

In der vergangenen Zeit hatte die Barbarei, wie die übrigenWissenschaften, so vorzüglich die Quelle der christlichen Religionauf eine schimpfliche Weise verunreinigt. Es liegt aber in derNatur der Sache, daß in jedem Fache, sobald einmal das gründ-liche, einfache Wissen untergegangen ist, Sophistik und envloseMeinungsverwirrung eintritt. Und das eben bereitete eine dichteNacht über das Gebiet der Wissenschaften. Die daraus folgendeneuere Zeit begann die Wissenschaften zu läutern, und dem For-schungstriebe die Quellen wieder zugänglich zu machen. Es warauch allerdings der Anfang gar nicht unerfreulich, und gab nicht