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Philipp Melanchthon.. 1559.
Es ist keine andere Verehrung Gott gefälliger, als wenn wir dievon Ihm uns geschenkte Lehre zu erkennen uns bestreben, undzu ihrer Verherrlichung auch unsere Bemühung beitragen. UndGott vergilt reichlich solchen Dienst, wie Ec ja spricht: „DieMich verherrlichen, will Ich verherrlichen." Glücklicher wird DeineBahn, wie im Leben überhaupt, so in den öffentlichen Geschäftensich gestalten, wenn Du gelehrte Kenntnis der wahren Religionauch ferner hoch schätzen, und sie zu befördern Dich bestrebenwirst.
Verbinde aber, wie Du jetzt thust, ferner auch andere Stu-dien damit, welche entweder selbst auch der Religion dienen, odersonst für verschiedene Lebensverhältmsse ersprießlich sind. Ich höre,daß Du Dich jetzt mit dem ehrwürdigsten Geschichtschreiber, Thu-kydides, beschäftigst, der allerdings auf gar Vieles den Leser auf-merksam machen kann: auf die Verschiedenheit der Fürsten hin-sichtlich ihrer geistigen Vorzüge und Gesinnungen; auf den Aus-gang stürmischer, aufrührischer Bürger; auf die Bestrebungenund das Ende der Patrioten; auf die Ursachen, welche Staats-umwälzungen herbei zu führen pflegen. Sehr wahr sagt Plutarch:„So wie ein Musiker seine Instrumente kennen muß, so mußauch, wer Staatsgeschäfte verwaltet, sorgfältig sich bemühen, daßer die Gesinnung der Fürsten und des Volks verstehe;" und dazusind die Charakterschilderungen in der Geschichte von außerordent-lichem Nutzen. Merke denn im Thukydides aus die Charakteregroßer Männer, zugleich aber auch auf die Verschiedenheit einesThemistokles, Periklcö, Kleon, Alkibiades, Nikias, Brasides,Theramcnes; ferner welche mannichfaltigen Veränderungen in demeinzigen Staate Attika auf einander folgten, seitdem ein nichtigerGrund den Kampf zwischen den griechischen Staaten erregt hatte;dann, wie oft und leichtsinnig man, bald um des Interesse eini-ger Weniger willen, bald aus »»gegründetem Mißtrauen gegenMächtigere, Bündnisse gebrochen, und vieles Andere noch.
Indem Thukydides im Eingänge seines Werks angibt, wel-cher Nutzen aus der Geschichte zu gewinnen sei, erinnert er zwar,man müsse die Geschichte aller Zeiten kennen lernen. Für Dichaber ist die heilige Geschichte zunächst ein nothwendiger Gegen-stand Deines Studiums; lies auch zugleich die Begebenheitendes deutschen Reichs; sie werden Dir viele Winke über die Ver-änderungen in der Kirche geben, deren Kenntniß für jeden Edlenvon hohem Interesse sein muß. Erwäge denn also, wie vieleHilfsmittel für das Privatleben sowohl, als für die öffentlichen