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Dein Hochgeborncn edlen Grafen Joh. v. Weda rc.
Vergebung meines so schweren Vergehens, und flehe um Milde-rung unsers Elendes." Gott versicherte, daß Er ihr verzeihe,und erinnerte sie, obgleich Ec das Menschengeschlecht durch Schmer;und Ungemach üben wolle, dennoch abermals an den verheißenenNachkommen. „Dieser Held," sprach er, „wird sich derer an-nehmen, die ihn anrusen, und ihnen einst himmlisches Leben undHerrlichkeit geben."
Als Gott durch diese tröstliche Versicherung ihre Betrübnis?etwas gemildert hatte, reichte Er dem Knaben zum Abschied dieHand; die Mutter begleitete Ihn beim Hinausgehen, und da sie,in der Begeisterung für Seine so süße Rede, und von Liebe zuihrem Schöpfer entflammt, eine weite Strecke von ihrem Hausegegangen war, umarmte sie Gott, hieß sie zu ihren Kindern zu-rück gehen, und verhieß ihr und ihrem Gatten Seine Hilfe;auch sagte Er ihr, diese seine Begleiter, die Engel, waren dieBeschützer ihrer Familie, und sie führten mit der Schlange einenewigen, unversöhnlichen Krieg. Er ermunterte sie, ihre Einsam-keit darum getrost zu ertragen, und verhieß, cs würde einst einvertrauterer Umgang zwischen den Engeln und der ganzen FamilieStatt finden, um das Unangenehme ihrer Einsamkeit zu vermin-dern. Als Er das gesagt hatte, kehrte Er, von einer Wolke ver-hüllt, in den Himmel zurück.
Hier hast Du die Erzählung, welche, wiewohl sic nicht ge-schichtlich begründet ist, doch große Wahrheiten andeutet. Zuerstzeigt sie, was auch die nachdrücklichsten Aussprüche der heiligenSchrift als wahr bezeugen, daß die Unterscheidung der Standevon Gott getroffen worden sei. Du siehst zugleich, wie diejenigenmit ehrenvollen Aemtern geschmückt wurden, welche durch Eha-raktergüte, Kenntnisse, anständiges Betragen und fromme Gesin-nung sich auszeichneten, um anzudcuten, welche Vorzüge Euchschmücken müssen, die Ihr durch äußere Würden über den klebri-gen steht. Aber es entspricht das Betragen Vieler ihrer Abkunftund Geburt so wenig, daß sie vielmehr von jenem ungeschlachten,rauhen Sohne der Eva, als von den klebrigen abzustammenscheinen. Es ist dieß jedoch nicht die Schuld ihrer Abkunft, son-dern sie regen die von den Vorfahren überkommenen Keime derLugend nicht durch Kenntnisse und Wissenschaft an, oder erstickensie auch wohl durch hinzukommendc schlechte Sitten. Möchtendoch alle edle Jünglinge recht ernstlich bedenken, wie vielfach solchesich versündigen. Denn einmal: wie der treulose Flüchtling sei-nen Feldherrn beschimpft, so beweisen auch die, welche von Gott