Druckschrift 
5 (1830)
Entstehung
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Dem Hochgcberncn, edlen Grafen Loh. v. Weda :c.

sind, wie ln der heiligen Schrift, so auch anderwärts ln Schrif-ten ausgezeichneter Staatsmänner vortreffliche Ermahnungen zufinden. In der Voraussetzung aber, daß Du solche täglich in denHänden habest, hielt ich es nicht für nöthig, darüber weitlauftigzu sprechen.

Da ich nun aber einmal auf diese Erinnerung cingcgangenbin, könnt' ich nicht unterlassen, eine in einem Gedichte befind-liche kurze Erzählung hinzu zu fügen, welche zwar keinen historischenWerth hat, jedoch an sich anziehend, und sehr geschickt angelegtist, die Jugend zu erinnern, daß sie bedenke: cs sei, einmal,der Unterschied der Stände eine göttliche Einrichtung; cs sei aberauch Jeder verpflichtet, dahin zu streben, daß er seine Würdedurch Tugend behaupte. Und wenn Plato in die ernstesten Un-tersuchungen bisweilen auch eine erdichtete Erzählung cinstreucndurfte, so hoff' auch ich gerechtfertigt zu sein, wenn ich in die-sem Briefe, der fast ganz den Charakter einer freundschaftlichenUnterredung hat, eines Lehrbildcs mich bediene.

Es ist aber die Erzählung folgende:

Lange Zeit nach der Schöpfung des Adam und der Eva, alsdie ersten Aeltern schon Familie hatten, gefiel cs Gott, einmalhervor zu treten und Sich ihnen zu offenbaren, um sie, die inihrem einsamen Zustande in der Welt mit täglichen Mühen zukämpfen hatten, zu trösten. Als nun Eva zufällig durch dasFenster blickte, sah sie Gott den Schöpfer im Gefolge Seiner En-gel kommen. Und da der nächste Tag ein Feiertag sein sollte,hatte sie eben angefangen, die Kinder zu waschen, damit sie demOpfer und der Predigt des -Vaters beiwohnen könnten. Weil sieaber noch nicht alle gewaschen waren, und sie sich scheute, dieschmuzigen und ungesauberten Gott vor die Augen zu bringen,hieß sie dieselben sich in dem Heu und Stroh verbergen, welcheszum Bedarf des Viehes in der Nahe lag. Den übrigen geputztenaber befahl sie, in eine Reihe gestellt, den lieben Gott im Vor-hause zu erwarten, und wenn Er würde hinein gegangen, und vonder Mutter begrüßt worden sein, sollten sie auf Ihn zu gehen.Ihm die rechte Hand geben, ihre Kniee ein wenig beugen, einenGruß Ihm sagen, und dann ein jedes still an seincn Ort sichstellen. Als sic ihnen nun dieses gesagt hatte, trat Gott in dasVorhaus. Die liebliche Mutter, auf deren Gesicht Scham undVerlegenheit sich ausdrückt, geht Ihm entgegen und empfängtIhn mir einer ehrerbietigen Umarmung. Gort redet sie freundlichan und heißt sie gutes Muthes sein; Er sei der Vater der Elenden,