16 Antwort auf eine im Aufträge des modern Klerus zu Cöln
erkennen, Ihn wahrhaft anzurufen und zu preisen, nicht, wiedie Philosophen wähnten, ein Jeder nach seiner eigenthümlichcnVorstellung, sondern wie Gott selbst mit Seiner Stimme Sich kundgcthan. Darum sollen diesen unsichtbaren Gott, der Sich durchdie Sendung Seines Sohnes geoffenbaret, und mit Seiner Stimmeuns befohlen hat, diesen Sohn zu hören, der stimmt Seinem Sohneund dem heiligen Geist die ganze Natur geschaffen hat, unserGebet gerichtet, und der Glaube in uns angezündet sein, wel-cher die Zuversicht habe, daß unser Gebet um des Mittlers, Sei-nes Sohnes willen, angenommen werde, und um die Negierungund Heiligung des heiligen Geistes flehe. Also lautet das Gebotder Propheten, der Apostel und der reinen Kirche. So oft duein Gebet beginnst, so denke dein Gemüthe: Dich, den leben-digen und allmächtigen Gott, den Ewigen, dm Vater unsersHerrn Jesu Christi, den Schöpfer aller Kreaturen, welche Dunebst Deinem Sohne, unscrm Herrn, Jesus Christus, und demheiligen Geiste erhältst, rufe ich an: Erbarme dich meiner umDeines Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi willen, den Du füryns hast wollen das Opfer werden lassen, und nach Deinemwunderbaren unaussprechlichen Rathschlusse zu unserm Mittler undFürbitter verordnet hast, um Deinen wahrhaftigen Zorn gegendie Sünden des menschlichen Geschlechts, und Deine unermeßlicheBarmherzigkeit gegen uns darzuthun; heilige und regiere michdurch Deinen heiligen Geist, sammle, leite und erhalte Dir dieKirche; lenke die Staaten; gib uns Unterhalt, Frieden, guteund glückliche Führung der Geschäfte, u. s. w. So etwa soll dieForm des Gebets sein, daß sie unsere Anrufung nicht nurvon heidnischer, jüdischer, muhamedanischcrAnbetungsweise unter-scheide, sondern zugleich den Glauben erwecke, der die Zuversichtgibt, daß unser Gebet um des Sohnes willen angenommenwerde, und solche Verehrung Gott gefällig sei. Diese nothwen-digc Lehre der Kirche von solchen hochwichtigen Dingen verbannenund vertilgen jene heidnische Meinungen von der Anrufung Ver-storbener, welche Ihr nährt und kräftigt. Welches Bild des Aber-glaubens habt Ihr bis jetzt abgethanl Ich höre, daß man jetztnoch Geld zu einem Mantel für die Anna sammelt, auf den Ihrwahrscheinlich, wie auf den Mantel der attischen Minerva, eureGigantomachie werdet malen lassen, mit der Ihr den Himmelbekriegt! Das Hab' ich dargestcllt, damit der Leser, theils umwelche wichtige Sachen sich's handelt, theils was Ihr, und mitwelcher Ehrlichkeit Ihr es erstrebt, erwägen könne.