herausgegebene Schrift.
Schloß." Und wiewohl man die Anrufung für etwas so Leichtes,für so bekannt und Allen einleuchtend halt, daß Ihr vornehmenLehrer nur selten darüber predigt, so wird sie doch nur zu leichtverfälscht, nur zu leicht gänzlich verscheucht. Denn, daß cs einenGott gebe, eine ewige Vernunft, welche die Ucsach des Gutenin der Natur fei, wie Plato ihn erklärt, das wissen alle Men-schen durch natürlichen Verstand. Darum rufen Alle Ihn auf ir-gend welche Weise an. Ja, weil sic jene ewige Vernunft nichtals allein sich denken, denn sie will erkannt und angeschaut sein,gesellen sie ihr einige Diener bei. Auch diese rufen sie an. Da-her der Götterhaufe bei den Heiden; daher die Anrufung Ver-storbener. Du fragst vielleicht, welchen Nachtheil das habe? Garvielfachen. Nur auf solche Weise will Gott, daß man Ihn an-rufe, wie Er sich gcoffcnbarct hat; als den einigen Schöpfer undHelfer will Er, daß wir Ihn erkennen, der versöhnt ist durchden Sohn; im Glauben an Diesen sollen wir Ihn ancufen.Die übrigen Völker erkennen Gott weder als den ewigen Vaterunscrs Heren Jesu Christi, noch können sie der Annahme undEchörung ihres Gebets sich fest versichert halten. Die Kirche istgewiß, und Gott will, daß wir der Verheißung glauben sollen,daß Er um des Sohnes willen uns erhöre.
Das Volk rennt zu den Heiligenbildern, sagt seine Gebets-formeln her, ohne daran zu denken, weder, was es anruft, obGott, oder die Sele eines Verstorbenen, noch, ob Gott also an-gerufen sein und warum er unser Gebet gewißlich annehmenwolle. Diese in den Vorträgen der Propheten so oft verdammtenGräuel werden von Euch bestätigt, indem Ihr diese Sitte durchallen möglichen Vorwand rechtfertigt. Haltet Ihr cs denn nichtfür die größte Sünde, die heidnische und die christliche Religionzu vermengen, die wahre Anrufung Gottes zu vertilgen, dieKirche Gottes zu beflecken, und diese vielfach angcfochtene Men-schennatur ihrer wahren Hilfe zu berauben? Wenn die Leute sodenken: Vertreibe die Krankheit, o Quirinus! so ist's ein Frevelgegen Gott, indem sie der Kreatur göttliche Macht zuschrciben.Denken sic sich's aber so: Vertreib' o Gott! die Krankheit umder Bitten Quirin's willen! so ist's abermals ein Frevel, Gottan dieses Bild zu binden, und sich einzubilden, daß dieses Gebethier mehr angenommen werde. Es weiß auch das Gemüth nicht,ob Gott wolle, daß man also Ihn anrufe, uno die Gewohnheitführt die Menschen vom wahren Mittler, und von der Eckennt-niß desselben ab. Wir sind erschaffen und erlöset, um Gott zu