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5 (1830)
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herausgegcbeiic Schrift.

Als Grund, warum man Verstorbene anrufen müsse, führensic an, weil, wie es im Cyprian heißt, zu einem würdigen, hei-ligen Gebet viel erforderlich sei, was man weit mehr bei den vomKörper befreiten Heiligen, als bei Lebenden finden könne. Er-wäge, lieber Leser, was das für ein Grund ist. Obgleich derBetende bußfertige Gesinnung vor Gott bringen muß, so darfdoch die Zuversicht der Bitte nicht aus unsre Würdigkeit, sondernsie muß auf Christus, den Mittler, sich stützen, wie Erselbst spricht:Was ihr bitten werdet in Meinem Namen, daswird Er euch geben" (Matth. 21, 22.). In Seinem Namenbefiehlt Er zu beten, d. h. mit Berufung auf Ihn, indem wirden Vater tim des Sohnes willen, und mit der Zuversicht bit-ten, daß Er um Desselben willen uns annehmen, erhören, Helsenwolle, wie Paulus spricht:Durch Ihn habe» wir einen Zu-

gang zu Gott" (Eph. 2, 18.); undDa wir einen solchen Ho-henpriester haben, so laßt uns zu Gott treten!" (Hebräer4, 14.16.) Wenn David seine Würdigkeit ermessen will, wann wirder anrufen? Nein, also muß man zu Gott nahen: mit bußfer-tiger Gesinnung, und dem Bekenntnis der Unwürdigkeit, wieDavid spricht:Vor Dir ist kein Lebendiger gerecht" (Psalm143, 2.); und:An Dir allein Hab' ich gesündigt" (Ps. 51.6.); und Daniel (9, 18.):Nicht um unserer Gerechtigkeitwillen bete ich, sondern ich fliehe zu Deiner Barmherzigkeit, undbitte um des Herrn, d. j. um des zukünftigen Messias willen."So heißen uns die Propheten, so Christus, die Apostel und dieKirche beten. Jene aber halten die Lebendigen von der AnrufungGottes ab, und heißen sie indes die Verstorbenen suchen, umihre Angelegenheiten zu führen, wie ich mich erinnere, daß ineinem Dorfe Bauern auf die Frage, ob sie Gebete wüßten, ant-worteten: es wäre genug, wenn der Pastor sie wüßte, der ja

deßhalb bezahlt würde, um für sie zu beten.

Die übrigen Gaukeleien und Verunglimpfungen in Ansehungdieses Punktes übergeh' ich, ermahne aber den redlichen Leser,daß er es nicht als einen Streit wegen einer geringfügigen Sachebetrachte, wenn wir von der Anrufung handeln, sondern erwäge,daß die wahre Anrufung die vorzüglichste Schutzwehr, um michso auszudrücken, des frommen Gemüthes in so großen Mühselig-keiten des Lebens ist, wie es auch im Psalm heißt (Ps. 20, 8.):Jene verlassen sich auf Wagen und Rosse; wir aber wollen imNamen unsers Gottes anrufen!" Ferner beherzige er, daß diewahre Anrufung die vorzüglichste Gabe ist, die wir Gott dar-V. >)