Druckschrift 
5 (1830)
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen
 

12 Antwort auf eine im Aufträge des nieder» Klerus zu Cöln

der Kirche Gottes, und wird nur im wahren Kampfe, im wah-ren Streite, in der Anrufung Gottes erlernt. Es gehört aberauch wesentlich zu dieser Weisheit, daß man die bürgerlichen Ge-bräuche von der Gerechtigkeit des Geistes gehörig unterscheide.Die kanonischen Gcnugthuungen, von denen Cyprian redet, wa-ren ein bürgerlicher Gebrauch. Die Bekehrung hingegen, vonwelcher die Propheten und Apostel predigen, umfaßt die Regun-gen des Herzens: Furcht Gottes, Glaube, Liebe, Gehorsam imKreuz und andere Früchte des Geistes, wie Paulus sie nennt(Gal. 5, 22.). Da aber dieser ganze Gegenstand oft mit Ge-wissenhaftigkeit erläutert worden, und ich glaube, daß frommeChristen, welche unsere Schriften gelesen, sich völlig befriedigtgefunden haben, bedarf es hier keiner weitläufigem Widerlegung.Ich will daher einiges Wenige über die Anrufung Verstorbenersagen, in Betreff deren ec uns, wie schon erwähnt worden, dasAltccthum entgegen stellt, und anführt, Theodosius habe sich vorden Gräbern Verstorbener niedcrgeworfen, seine Gebete gesagtu. f. w. Was nun zuerst die Jahrhunderte und das Ansehen ver-alten Schriftsteller anlangt, so antworte ich also: Es gibt einebeständige, fortgehende reine Lehre der katholischen Kirche Gottes,die durch die Apostel verkündigt worden, und die Zeugnisse derKirche auch der folgenden Zeiten hat. Aber es sind einige Schrift-steller reiner, als die andern, und der ganze Lehrbegriff ist, wennman umsichtig prüft, bei Augustin reiner, als bei Origcncs.Auch mischt jedes Jahrhundert seinen besondcrn fehlerhaften Ein-fluß bei, wie ja die menschliche Natur in dieser Schwachheit nieohne Mängel ist. Ferner begünstigen wir in der Regel die väter-liche und gegenwärtige Weise und Sitte, daher, als der Samedes. Aberglaubens in die Kirche sich eingeschlichen hatte, erwogenentweder die heiligen Vater Manches nicht sorgfältig genug, oderduldeten cs nur, wiewohl sie es nicht billigten. Allgemein be-kannt ist die Klage Augustins über den Aberglauben seiner Zeit,wenn er sagt, die kirchliche Knechtschaft sei nunmehr bereits här-ter, als die Mosaische. Ec duldete aber auch, beschäftigt mit an-dern schwierigem Kämpfen, so manche Gebrechen. Sodann wa-ren jene Mißbräuche, von denen jetzt die Rede ist, noch nicht sohoch gestiegen, wie sic in der Folge, in den Zeiten der Barbarei,und als Gewinnsucht sich dazu gesellte, gestiegen sind. Es warGewohnheit, bei den öffentlichen Gebeten der Verstorbenen Er-wähnung zu thun. Die Meinung, daß man für sie dabei dasAbendmahl des Herrn halten müsse , war noch nicht dazu getreten,