hcrausgegebcnc Schrift. 5
bürgerlichen Lebens lag in Vergessenheit. Will Jemand läugnen,daß dieß der Anstand der Kirche gewesen, der kann nicht nurdurch das Aeugniß redlicher Männer, sondern auch durch die nochvorhandenen Schriften der Mönche widerlegt werden. Und auchdieses ist ein offenbares Aeugniß: Es würden nie so viele bejahrteund würdige Männer in Deutschland den Beginn der Wiederge-burt der rcincrn Lehre so begünstigt haben, waren sie nicht vonder Nothwendigkcit einer Verbesserung der Kirche überzeugt ge-wesen. Es begünstigten aber jene Erneuerung Alle, welche demEpikurcismus nicht' offenbar huldigten. Einige Beschränktere wur-den durch die darauf eingetretenen Unruhen abgeschreckt, wie jader Teufel Acrgerniß zu erregen pflegt. Das benutzten irreligiöseMenschen, und für ihren Bauch bekümmerte Mönche, die Für-sten zu gewaltsamen Maßregeln aufzurcizen. Wir, die wir in-zwischen mit vielen Mühseligkeiten und vielen Gefahren in Kir-chen und Schulen die reine Lehre verkündigen, was beabsichtigenWirt Suchen wir etwa Schätze oder Gewaltt Die Sache selbstrechtfertigt uns; denn viele gelehrte und wackere Männer, welche,obgleich sie ruhig und geachtet leben konnten, zogen dieses Be-kenntnis selbst ihrem Leben vor; solche waren Heinrich von Aüt-phen, I). Johann Crösus und Adolph, der zu Cöln verbranntworden; so könnt' ich noch Viele außer diesen nennen. Wir, diewir verschont geblieben, hätten, um nur das zu erwähnen, wohlruhiger leben mögen, wenn wir diese Sache nicht zu der Unsrigengemacht hätten; Vielen hätte ihre Gelehrsamkeit den Zugang zuhohen Aemtern geöffnet. Auch unsere Fürsten tragen ihre garnicht leichte Last. Aber wir haben nur den einzigen Zweck: wir .wünschen, daß die reine und der Kirche heilsame Lehre zur EhreGottes erhalten und vertheidigt werde. Wir ermahnen aber euch,daß von den Unsrigen alle bürgerliche Pflichten erfüllt werden.Der wissenschaftlichen Bestrebungen nehmen wir uns mit ganzvorzüglichem Eifer an. So sind auch irrige Meinungen, wennsie irgendwo sich zu regen begonnen, durch treuen Fleiß und Glau-ben unterdrückt worden, wie unsre Schriften und die Staatenselbst bezeugen, welche unter allen deutschen Staaten mit HilfeGottes die friedlichsten sind und gewesen sind. Und was der Ver-fasser der Eölner Schrift uns zum Vorwurf macht, daß wir vonder Kirche die wahren Lehrsätze empfangen, das gesteh' ich offenund frei, und wiederhole cs laut; denn nicht neue Dogmen brin-gen wir auf die Bahn, sondern die alte und reine Kirchcnlehresuchen wir, so viel Gott uns beisteht, ins Licht zu setzen. Simson