4 Antwort auf eine im Aufträge des niedern Klerus zu Cöl»
ganzen Welt ist mir so lieb, daß ich mich nicht verbunden haltensollte, ihn zn widerlegen, wosern ich höre, daß er mit solcherLästerung die Lehrweise verdammt, die in unfern Kirchen herrscht.Weise Staatsmänner sollten solcher offenbaren Frechheit Einhaltthun, damit nicht solche Äußerungen allgemeines Ungemach alsStrafe herbeisührten. Wie mag man ferner Fried' und Eintrachtjemals hoffen, so lange man schlechtgcsinnten Menschen solch' zü-gelloses Betragen gegen uns zuläßt? Au dieser ganz kurzen Recht-fertigung will ick) noch einiges Wenige hinzufügcn. Ich bitte denLeser dringend, daß er sorgfältig erwäge, was jede von beidenParteien eigentlich beabsichtiget, für was man gegenseitig kämpft.Ich weiß, daß viele Epikurischgcsmnte entweder spotten, oder beideThcile mit Verachtung betrachten. Doch der Weisheit Solchersollen diese Stceithändcl nicht empfohlen werden. Vefscrgesmnte,welche vom Evangelium nicht verächtlich urthcilen, mögen sowohlauf die Kirche, als auf die Bestrebungen ihre Aufmerksamkeitrichten, welche auf beiden Seiten hervortreten. Bevor man dieseSache anrcgte, herrschte überall großes Dunkel. Die Klöster undKirchen, ja alle Familien waren mit menschlichen Ceremonieen sobelastet, daß Gerson und viele Andre diese Folterbank der Ge-wissen mit Schmerzen beklagten. Nach heidnischer Weise wurdenVerstorbene angerufen, Wallfahrten zu Bildsäulen angestcllt; dieLehre von der Buße war durch ein stachlichtes Gewebe unauflös-licher Spitzfündigkeiten über Beichte, Genugthuung, Ablaß ganzverhüllt. In Betreff des Glaubens, durch den allein Vergebungder Sünden empfangen werden soll, herrschte tiefes Schweigen.Diese Unbekanntschast mit dem Glauben hatte auch auf die An-rufung verderblichen Einfluß. Niemand wußte richtigen Unterschiedzwischen göttlichem Gesetz und menschlichen Satzungen. Welcheabgeschmackte Meinungen waren in Bezug auf das göttliche Gesetzverbreitet, da man schrieb, es könne der Mensch dem göttlichenGesetz genug thun! Das Abendmahl des Herrn ist viele Jahr-hunderte hindurch größtcntheils aus die Todten übergetragen, unddurch einen furchtbar gesteigerten Aberglauben entstellt worden.In Bezug auf den wahren und wesentlichen Nutzen der Sacra-mente herrschte Schweigen. Oeffentliche Predigten waren an vie-len Orten höchst selten; an andern Orten wurden sie mit Fabelnvon St. Georg, Christoph, Katharina und mit ähnlichen Dingen,oder mit dem, was zur Bereicherung der Mönche diente, ange-füllt. Die Lehre von der wahren Anrufung, von den Uebungendes Glaubens im täglichen Leben, von der hohen Bedeutung des