6 Antwort auf eine im Aufträge des niedcrn Klerus zu Cöln
sagt (Nicht. 14, 18.): „Hättet ihr nicht mit meinem Kalbe ge-pflügt, ihr hättet cs nicht gefunden!" So rufen auch wir un-ablässig, daß man die Kirche Horen müsse als die Lehrerin», welchevon Anfang an das Wort Gottes verkündigt hat. Aber wennihr denn zugesteht, wendet man ein, daß man Vieles von derKirche entlehnen müsse, warum nehmt ihr nicht Alles von ihr an?Warum reißt ihr Einzelnes heraus? Die richtige Antwort ist:Wir reißen kein Dogma der Kirche heraus, sondern nur dieneuen Jrrthümer, welche dem Evangelium und dem Urtheil derwahren Kirche zuwider, in die Kirche sich eingeschlichcn haben,diese radeln wir; überhaupt tadeln wir nur, um in cölnischenWorten zu reden, irrige Meinungen nicht der Kirche, sondern diedes niedcrn Klerus, d. h. des unechten und entarteten, tadelnwir. Was hingegen die andere Partie bezweckt, vermag ich kaumzu errathen. Denn wie es im Psalm heißt: „Sie Haffen michohne Ursach" (Ps. 35, 10.), so suchen auch Jene das auftau-chendc Licht des Evangeliums ohne irgend einen Grund zu unter-drücken. Einige verständige Männer sagen, man müsse die be-stehende Form der kirchlichen Verfassung mannhaft vectheidigen;stets sei cs das angelegentlichste Geschäft weiser Staatsmännergewesen, Abänderungen in den Gesetzen zu verhüten. Aber wennsolche die Sache reiflich prüfen wollten, würden sic finden, daßdurch Heilung ihrer Gebrechen die Verfassung der Kirche nichtzerrissen, sondern vielmehr befestigt werde. Vielleicht würde sieweniger äußern Glanz, aber gewiß auch weit mehr wahrenSchmuck in Hinsicht auf Gelehrsamkeit, Frömmigkeit, Ansehenbesitzen. Sie kämpfen mithin für äußern Glanz, Luxus, Wohl-leben, nicht für die Verfassung; und solche Kämpfe sind gar ge-wöhnlich in der Kirche, und werden von Gott entschieden. Wieder Streit zwischen den Aposteln und den jüdischen Priesterngeendigt worden, wissen wir. Damals jedoch konnten die Priestersich hoch rühmen, eine von Gott gegründete Verfassung zu ver-fechten. Jetzt verthcidigt der niedere Klerus menschliche, fehler-hafte und neu ersonnene Gesetze und die Gebrechen einer kirch-lichen Verfassung, welche Anfangs weit trefflicher war, als siejetzt ist, indem noch nicht die Verstümmelungen des heiligen Abend-mahles und andere Mißbräuche Angeführt, die geistlichen Eollegienaber noch die ehrwürdigsten Vereine frommer Lehrer und Schülerwaren. Stets nämlich waren mit zahlreichem Gemeinden auchsolche Eollegien verbunden; denn gleich wie den Propheten derKreis seiner Zuhörer begleitete, um Zeugen der prophetischen Lehre,