Unter den Vorkämpfern der priesterlichen Schaar ist Gabriel deSaconay, den Calvin beschimpfen wollte, den er aber unsterblich machte,nicht der wenigst tapfere. Ohne den Unflath, mit welchem Calvin dasAngesicht des Vorsängers bewarf, wäre aber sein Name vielleicht nicht aufuns gekommen, wenigstens hätten wir ihn nicht in jener heiligen Schaargesucht, welche so glorreich für das Heil unserer gesellschaftlichen Frei-heiten kämpfte.
Gabriel de Saconay war nun wohl, wie Calvin berichtet, Can-tor der Kirche des heiligen Johannes; aber Calvin hat vergessen, unszu sagen, dass er auch Comte des Kapitels war, aus einem adelichenGeschlechte und Abgeordneter zu den Ständen von Orleans für dieProvinz Lyon; welche Wahl nothwendig hohe Geburt, Gelehr-samkeit und Sittlichkeit voraussetzt, was Gabriel Alles besaß. Wenner ein gewöhnlicher Priester gewesen wäre, hätte ihn Calvin gewiß inseiner Verborgenheit gelassen.
Gabriel besaß zu Saconay, in der Diöcese von Lyon, ein Schloß,von wo aus einige seiner Werke datirt sind, und wo er eine reicheBibliotheke von Controversschriften angelegt hatte, voll vortrefflicherWerke aller griechischen und lateinischen Lehrer, welche zu allen Zeitender Kirche gelebt und die Unverletzbarkeit des katholischen Dogma's ver-theibigt hatten. Er hatte diese Schriften gelesen und wieder gelesen,durchforscht und mit Anmerkungen bezeichnet und dabei Mönchsgedulderwiesen. Seine Redeweise zeigt alle Arten asketischer Weihe: wennman Saconay liest, begegnet man auf jeder Seite Tertullian, Orige-nes, Augustin, Chrisostomus und Hieronymus, den er auswendig kannund mit so großem Geschick in seine Erzählung zu verflechten weiß, daßihn selbst Erasmus darum beneidet hätte. Unter all diesen Herrlichkeitenzu leben, war Saconay's höchste Freude. Diese alten Todten habenihn oft herrlich begeistert: Einem von ihnen, dem Vinzentius von Lerin,entnahm er eine bewunderungswürdige Schilderung eines Ketzers, wobeiihr einen gewandten Meister der Rede kennen lernt.
In allen Ketzereien bringt der Teufel, der sich als einen Engel desLichts verstellt hat, eine Sprache und Reden voll Trug vor undbekleidet sich mit dem Anspruch der Wahrheit des Wortes Gottes, umseine Arglist und Lüge geltend zu machen, da er wohl weiß, wie Vin-zentius von Lerin sagt, daß ihr Stank Niemanden gleich gefallen kann,wenn sie ihren Geruch ganz allein und unverdeckt vorwerfen; deßhalbbesprengen sie ihn mit einer himmlischen Sprache, wie mit Wohlgerüchen,da Derjenige, welcher den menschlichen Jrrthum leicht geringachtenkönnte, nicht so leicht die göttliche Offenbarung verachten kann. Sie