ab, streckte seine abgemagerten Hände aus, und rief: „Hauet dieseHände ab, zerschlaget diese Glieder, nehmet mir das Leben; aber keinervon euch soll mich zwingen können, das Heilige den Hunden vorzu-werfen. Hier ist mein Blut, nehmet es hin, ich überlasse es euch;aber meine Seele nie/")
Das war eine große Kühnheit, eine theatralische Kühnheit, dieihre Wirkung nicht verfehlte. Das Volk glaubte, der Name Gottessei in diesen ganz menschlichen Streitigkeiten mißbraucht, es trat aufdie Seite der Prediger, und ließ die Libertiner gehen, welche den Tem-pel verließen.
Die Patrioten faßten neuen Muth und stritten dem Consistoriumdas Recht der Excommunication an. Ihre Sache war volksthümlich;sie vertheidigten dieselbe mit so großer Beredsamkeit, daß der Rathentschied, das Recht, die unverbesserlichen Sünder zu excommuniciren,gebühre von nun an ihm. Da wiederholte sich eine Scene, wie wirderen schon so oft Zeugen waren. Die Prediger gaben ihre Entlassungein, und machten ihre Vorbereitungen zur Abreise. Der Rath fürch-tete sich, er sandte in aller Eile zu Calvin und stammelte einige Worteder Reue; man umarmte sich und schwur auf das Evangelium, dasVergangene zu vergessen, und allen Haß dem Interesse der Religionzu opfern?)
Diese Lauheit war Allem ausgeprägt, was die Obrigkeit that,seitdem sie sich dem Calvin, als ihrem Meister ergeben hatte. Manwird sich nicht darüber verwundern, wenn man bedenkt, daß der Rath,der durch das unaufhörliche Eindringen der französischen Flüchtlinge umsein Ansehen gekommen war, täglich um einige Tropfen seines natio-nalen Blutes kam. Der Reformator bediente sich seines Ansehens,'umseine Feinde in der öffentlichen Meinung zu vernichten. Die Mengesah am Ende in Ami Perrin, Vandal, De Sept, Favre, nichts An-deres, als gefallene Christen, die sich dem Teufel des Fleisches über-geben hatten. Ami Perrin galt für einen Ehebrecher; Favre für einenVerführer von Dienstmädchen; Philibert Berthelier für einen Besucherverrufener Orte. Als die Patrioten an das Volk appellirten, um dieFreiheit zu retten, bestieg Calvin die Kanzel und schilderte ihre Lippenals gänzlich befleckt von Lästerung, Wein und Schamlosigkeit. Ersagte, die Thränen der Verzweiflung, welche ihren Augen entrinnen,seien eine Verstellung; und gleich als wenn es nicht genug wäre, daß
1) Lslrin s Oeneve, 111 — 112.
2) kröois, Lc. t. I., p. 279.Audin: Ltbtn C-rlvin'S Bd. ll.
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