Druckschrift 
Zweiter Band (1844)
Entstehung
Seite
135
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Man muß die Erzählung Calvins selbst hören:

Seit euerer Abreise haben uns die Tänze mehr zu schaffen ge-macht, als ich anfangs glaubte. Alle, die dabei gewesen waren,wurden vor das Konsistorium gerufen, und haben mit Ausnahmezweier, des Corneus und Perrins, mit Unverschämtheit gegen Gottund uns selbst gelogen. Ich bin vor Zorn entbrannt und habemich mit Macht gegen diese Verachtung Gottes ausgesprochen, daß esihnen für nichts gelte, unserer heiligen Beschwörungen, welchewir anwandten, zu spotten. Sie beharrten in ihrem Trotz, da ichdie Sache durchschaute, konnte ich nichts Anderes thun, als Gott zumZeugen anrufen, daß sie für solche Nichtswürdigkeiten büßen würden;zugleich jedoch habe ich erklärt, daß ich selbst, bei Gefahr meines Le-bens, die Wahrheit an's Licht fördern wolle, damit sie sich nicht ein-bildeten, durch Lügen etwas erlangt zu haben. Die Franciska Perrinhat auch viel auf uns geschimpft, daß wir den Fabers so feind wären.Ich habe geantwortet, wie es mir recht schien und wie sie es ver-diente. Ich fragte, ob jenes ein hochheiliges Haus und von denGesetzen entbunden wäre. Der Vater war schon eines Ehebruches über-wiesen, einen zweiten waren wir auf dem Puncte auch zu beweisen,und von einem dritten spricht man viel. Der Bruder hatte den Rathund uns öffentlich verachtet und ausgelacht. Endlich fügte ich hinzu,sie möchten sich eine neue Stadt bauen, in welcher sie für sich lebenkönnten, wenn sie nicht von uns hier durch das Joch Jesu Christi re-giert werden wollten. So lange sie jedoch in Genf wären, würdensie sich unnütz bemühen, den Gesetzen nicht zu gehorchen. Denn wennauch so viele Diademe im Hause der Faber wären, als wüthendeKöpfe, so würde dieß doch nicht verhindern, daß Gott der Herr bliebe.

Perrin hatte sich unterdeß nach Lyon geflüchtet, hoffend, die Rache

würde in Stillschweigen begraben werden. Ich war der Meinung, manmüßte sie durch einen Eid zwingen, die Wahrheit zu bekennen.. Cor-neus warnte sie, er werde nicht zugeben, daß sie sich eines Meineides

schuldig machten. Darauf haben sie nicht nur eingestanden, was wir

wollten, sondern auch, daß sie an demselben Tage bei der WittweBalthasars getanzt hätten.') Alle sind in das Gefängniß geworfenworden. Der Syndikus gab ein merkwürdiges Beispiel von Gelassen-heit. Doch wurde er nach kräftiger Erinnerung im Konsistorium fernerStelle entsetzt, bis er Zeichen der Reue geben würde. Man sagt,

1 )In den Prozeßakten heißt es: weil sie getanzt oder zugesehen haben.Also wurde auch das Sehen bestraft." Paul Henry. Bd. II. S- 433.