„Gassenkehricht, Hunde, Hurer, ja Papisten"*)! Letzteres war diegrötzte Beleidigung, welche das reformirte Wörterbuch des sechszehntenJahrhunderts enthielt.
I>) F a b e r.
Die Familie Faber. — Seine Tochter Franzisca. — SeinSchwiegersohn Ami Perrin. — Faber vor das Consistorium citirt undangeklagt, er habe gerufen, es lebe die Freiheit. — Sein Verhör.Schreiben Calvin's. —
Wenn es in Genf eine Familie gab, welche Calvin bevorzugenmutzte, so war es jene der Faber: sie waren Patrioten, welche solange Zeit für die Befreiung ihres Vaterlandes von dem Hause Sa-voyen gekämpft hatten. Ohne Franz Faber, seinen SchwiegersohnAmi Perrin und ihre Freunde Besancon Hugues, Johann Beaux,Johann Philippe, wäre jetzt Calvin nicht in Genf. Ihnen verdankteer die Macht, diesen unerschrockenen aber missbrauchten Männern, wel-che nicht begreifen wollten, dass sich der Katholicismus mit allen Re-gierungsformen vereinigen lasse, und detzhalb, um ihn zu zerstören,all ihren Muth aufwandten, nachdem sie aber in einem achtzehnjähri-gen Kampfe ihr Blut vergossen hatten, nichts erlangen konnten, alsdass sie sich einem unbarmherzigen Herrn ergeben mußten, welcher diegerechte Strafe für einen Abfall war, den man vergebens mit demNamen des Patriotismus zu beschönigen suchen würde. Calvin solltesie ihre Renegatenrolle sehr grausam büßen lassen.
' Es ist nicht nothwendig, dass man fragt, welcher Partei dieFamilie Faber angehörte. Franz und sein Schwiegersohn Ami Perrinkonnten nur dort getroffen werden, wo man Gefahr laufen, die Freiheitschützen, ein Vaterland retten, das Joch eines Despoten zerbrechenwollte: dietz ist die Partei der Libertiner. Faber ist ein Mann mitweißen Haaren, von bewunderungswürdiger Lebhaftigkeit, von erprobterSeelenstärke. Gallisches und römisches Blut rollt in seinen Adern,und er würde den Fremdling schnell verjagt haben, wenn er in dieserdurch den Reformator verderbten Bevölkerung die Kühnheit der frühemZeiten gefunden hätte. Calvin machte einen zahnlückigen Wüstling ausihm, der die Familien entzweit, mit der Tugend der Frauen und derEhre der jungen Leute ein Spiel treibt, seine geile Hitze im Wirths-hause oder an liederlichen Orten kühlt. Seine Tochter Franzisca war
1) Oslille III., 262 now.