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Zweiter Band (1844)
Entstehung
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dienstes ruhend, sann der emancipirte Gedanke über den Beruf Des-jenigen nach, welcher all jene Trümmer umhergestreut hatte, und fand,daß der sächsische Evangelist der Welt nur unvollkommene Wahrheitengeoffenbaret habe. In demselben Buche, welches ihm Luther zur Nah-rung gegeben hatte, las er die Zeichen des nahen Verfalls der wittem-bergischen Lehre. Damals erschien das Wiedertäuferthum, welchesvermöge des protestantischen Prinzipes Schutz für seine Lehre verlangte.Luther brach aber ohne die Erlaubniß seines Churfürsten seinen Bann,verließ sein Pathmos, stieg aus der Region der Vögel herab und tratauf die Kanzel, um die neuen Propheten zu zerschmettern. Die zerstreutenWiedertäufer sammelten sich auf's Neue in einem fremden Lande, wel-ches sie beunruhigten, wie Luther Sachsen beunruhigt hatte. Einigevon ihnen kamen auf ihrer Flucht nach Genf. Wir haben im erstenTheile dieser Geschichte gesehen, wie sie aus dieser Stadt verjagt wur-den. Man hatte ihnen nicht einmal erlaubt, ihre Lehren zu ver-teidigen?)

Als in Genf die religiöse Revolution zu Stande gekommen war,ergab sich die gleiche aufrührerische Bewegung. Calvin war nicht grö-ßer, als Luther, dessen Apostolat man geläugnet hatte.

Den neuerungssüchtigen, nach Abentheuern begierigen und nachneuen Wahrheiten suchenden Seelen gab Luther als ein Schimpfwortden NamenSchwärmer," und bezeichnte damit unruhige und fried-störende Leute, welche sich bis in die Wolken erheben möchten; aben-teuerliche Geister, welche nicht an die Welt glaubten, die sie nichtentdeckten; in ihrem Stolze trunkene Geister, Wiedertäufer und Bilder-stürmer. So wurden denn diese an ihrer Stirne gebrandmarkten Neuererüberall, wo sie hinkamen, von der bürgerlichen Obrigkeit gequält unvvon der Kirche crcommunicirt.

Auch Calvin hatte sich in der französischen Sprache nach einemAusdrucke umgesehen, welcher seine politischen oder religiösen Gegnerbeschimpfen sollte, und er hatte ihn in dem Worte:Libertiner" ge-sunden ; ein alter Ausdruck, welcher in seiner doppelten Bedeutung baldein Wesen bezeichnet, das seinen Kopf auf den Boden hängt, bald einanderes, welches frech zum Himmel aufschaut, und Denjenigen verlacht,der ihn bewohnt: Vieh und Teufel.

t) Man vergleiche im ersten Bande das Kapitel, welches die Ucberschrift führt:Die Wiedertäufer." (famerarius sagt in seinem Leben Melanchthons von die-sen Ketzern:Xo» UnNeo gro eerto itieere, ribi locorum et ljuibusninxime .iuewritiu8 secta ist» teriorn exortn 8>t/' Hcspinian ist in sei-ner Geschichte der Sacramentirer ausrichtiger; er gesteht, daß diese Sectc vonLntker ihren Ursprung hatte.