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Zweiter Band (1844)
Entstehung
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det, seufzt, klagt oder flucht. Es gibt Kümmernisse, die gemildertwerden, wenn man sie aus dem Herzen lassen darf: sie werden aberihm nie anvertraut. Wer möchte es wagen, sie ihm anzuvertrauen,ihm, der nichts als eine menschliche Individualität repräsentirt, derGott nie das Gelübde gethan hat, das Anvertraute vor jedem mensch-lichen Ohre zu verbergen? Der protestantische Prediger kann sich auchnicht den schönen Titel geben, welchen der katholische Priester führt:ein Hirt der Seelen; weil ihm keine angehört. Die protestantischeKirche hat nur ein äußeres Aufsichtsrecht über die Gewissen: Jederfür sich, Gott für Alle, dieß wäre ein Wahlspruch, den der Prote-stantismus in seinen Schild schreiben könnte.

Calvin hatte die Harmonie wohl verstanden, welche der Katholi-cismus zwischen dem Priester und dem Beichtkinde herstellt, und hatte ebenso die Bloßstellung erkannt, in welche die Aufhebung der Ohrenbeichtden Gläubigen in Bezug zu dem protestantischen Prediger versetzenmußte. Er machte anfänglich den Versuch, die freiwillige Beicht ein-zuführen; seine Gemeinde wies aber dieselbe zurück. Da ersann erdie Pastoralbesuche, mit denen die Aeltesten beauftragt waren; dies;war aber eine maskirte Inquisition, die den Namen einer geistlichenObhut erhielt. Die Bevölkerung von Genf kämpfte gegen diesen tyran-nischen Gebrauch, welcher die Geheimnisse der Familien und die Ver-schwiegenheiten des Hauses der Obrigkeit hinterbrachte, so lange Cal-vin lebte. Ueberdieß war eine solche Institution mit dem Prinzipe derReformation, welche die religiöse Unabhängigkeit, die Nutzlosigkeit derguten Werke und die Rechtfertigung durch den bloßen Glauben aner-kennen sollte, in geradem Widerspruche.

Wenn es nun wahr ist, daß Calvin in Straßburg Sympathienfür die Ohrenbeicht gehegt habe, wie kommt es denn, daß er sicaus seinem symbolischen Buche in Genf entfernte? Gab er damals deneigennützigen Absichten der Bevölkerung nach, wie kurz zuvor Luther inWittemberg? Bisweilen wird man in den Werken des sächsischen Re-formators von Lobpreisungen dieses Dogmas der Wiedererweckung über-rascht.Bistdu nun ein Christ," sagt Luther zu dem deutschen Landmanne,so darfst du weder meines Zwanges noch PabstS Gebot, nichts überall:sondern wirst dich wohl selbst zwingen und mich darum bitten, daß dusolches mögest theilhaftig werden. Willst du es aber verachten, undso stolz ungebeichtet hingehen, so schließen wir das Urtheil, daß dukein Christe bist und auch des Sacraments nicht sollst genießen: denn

l) Lgist. 4'srvIIo, 1340.