ihr Vermögen einer Abtei, einem Kloster oder einem Hospitz mit derBedingung, daß der Erbe eine gewisse Anzahl „Vater unser und AveMaria" für die Ruhe der Seele des Verstorbenen beten sollte. DieReformation zerstörte die Klöster, und machte so den Gebeten frommerErkenntlichkeit ein Ende.
Unsere Genfer Kaufleute haben auch noch andere Ansprüche aufRuhm. Als die Freiheiten des Landes bedroht waren, als der Fremdemit seinem Degen die Vorrechte der Stadt angreifen und die Privile-gien der Zünfte antasten wollte, nahmen die Kupferschmiede, Zimmer-leute, Schuhmacher, Maurer und Weinwirthe die Sturmhaube unddie Hellebarde, um für ihre Freiheiten zu fechten. An diesem Tagewurde aller Haß vergessen: Genf erhob sich wie ein Mann. Das Volk,eben so schlau als brav, erhob ein Gelächter, als es hörte, wie dieHerolde des Herzogs von Savoyen in den Straßen verkündeten, ersei Willens, die Jahrmärkte herzuftellen, unter der einzigen Bedingung,daß er dafür zum Beschützer ernannt würde. Die Schlinge war geschickt an-gelegt. Die Genfer ließen sich aber nicht sangen, und schrieen wieaus einer Kehle: „Besser frei als reich." Diese Kaufleute wareneifrige Patrioten, welche für ihre Geburtftadt mit Freuden ihr Blutvergossen. Die Geschichte fieng erst neulich an, die Familienarchive zudurchwühlen; sie hat die Asche der Handwerker des Mittelalters auf-gedeckt; sie hat ihre Leichentücher ausgeschüttelt, und auf den bescheide-nen Grabsteinen, welche sie bedeckten, Namen gesunden, welche unsereZeit zu verwerfen sich erdreistet, welche aber sie, die nichts fürchtet,den Wappen unseres modernen Adels beizufügen wagt. Vor der Re-formation fürchteten diese Patrioten durch aristokratische Titel das Ohrzu beleidigen: Die D'Eysiöres nannten sich Desire, die D'Entand,Dantand, die D'Acier, Dassier. Wohl viele Kaufleute der Rhone-straße oder des Molardplatzes stammen in gerader Linie von einer hoch-berühmten Familie aus den alten Zeiten der Republik ab! Wenn sie suchen,werden sie ihre Adelstitel in der alten Schreibstube eines Notars finden.Dann haben sie im Nvthfalle das Recht, das Schwert an ihrerSeite zu tragen, wie die Herrn von Confignon, welche von Ritterndes dreizehnten Jahrhunderts abstammten und genöthigt waren dieErde zu bebauen.
Außer dem Teufel und dem Pabste gab es nichts, was Luther soeifrig haßte, als die Juristen. Wohin man in seinen Tischreden das
1) I. Lsssi ä'un precis lle l'kistoire cke Eenöve, D I. p. 87.
2) Oalillv, tntroä., p. 21.