finden. Es gibt hier Kupferschmiede (keiroliors), Schneider, Schu-ster, Zimmerleute (Lllapuiz) und Maurer, welche in Palästen wohnenkönnten, und sich mit einem Häuschen begnügen, das keine andere Zierdehat, als ein Gärtchen voll Blumen; denn Meister und Gesellen liebendie Blumen leidenschaftlich. Die Fugger von Augsburg, diese großenBanquicr's des Mittelalters, denen Luther so unbarmherzig den Ein-tritt in seinen Himmel verschloß, machten Geschäfte mit Genf; und niewurde ein Wechsel Genfs protestirt. „Das Wort eines Genfers,"sagten sie oft, „wiegt das Gold eines Churfürsten von Sachsen auf" —und sie hatten recht. Ein Italiener, der aus Vicenza, Ferrara oderMailand kam, um in Genf sein Glück zu suchen oder eine neue Er-findung dahin zu bringen, war erstaunt über den Lärm der Hämmer,Feilen und Maschinen, von denen die Stadt in jeder Stunde des Tageswiederhallte; über die Nettigkeit in den Straßen, und über die einfacheZierde der öffentlichen Gebäude. Er konnte seine Verwunderung nichtverbergen, wenn er einen Vergleich anstellte zwischen den Marmor-palästen, welche die Kaufleute der italienischen Seestädte bewohntenund den so bescheidenen Wohnungen der Genfer Geschäftsleute. Bon-nivard, Pecvlat, Berthclier rechneten mit ihren Fleischern ab, arbeite-ten mit ihren Maurern, gingen auf den Markt, um für die Kücheeinzukaufen, stiegen in den Keller, um ihren Wein zu versorgen, säu-berten die Bäume von ihren Aesten und begossen die Blumen ihrerHausgärten.
Der Handel war das' Leben Genfs. Der größte Theil der Fa-milien, deren Namen man mit Stolz nannte, war vom Handel reichgeworden; und diese Familien waren beinahe alle fremder Abkunft.Das Blut der Genfer war mit italienischem, französischem und deut-schem vermischt. Der Genfer mußte daher bei dieser Vermengung derRayen die Sitten der Völker annehmen, mit denen er sich verbundenhatte. Er glich dem Franzosen in Bezug auf seine Liebe zum Tanze,in seinen Freuden an der Tafel, seinen rauschenden Vergnügungen anFesttagen, und seinen Hasardspielen; dem Deutschen in Bezug auf seineVorliebe für den Feldbau; dem Savoyarden in Bezug auf seineRechtschaffenheit; dem Italiener in Betreff der Leidenschaftlichkeit fürseine Unabhängigkeit. Er hatte von dem Pisanischen Republikaner einigestädtische Einrichtungen entlehnt. In Pisa konnte man, wie heut zuTage in London, und wie zur Zeit der Reformation in Genf, nicht
t) Usliffd- V. I. lntrocl.