Keine und Napoleon.
Wolzhausen in der Vorrede S. VI das „allerliebste Büchleinjedem, der über Heines Charakter sans püru8e ins Klare zukommen wünscht", aufs wärmste empfiehlt. Mit Berufungaus dieses Buch werden wir später (S. 100) belehrt, daßHeine als „Impressionist, Neurastheniker, Hysteriker, starkerblich Belasteter" eigentlich nicht zurechnungsfähig und fürdie grellen Widersprüche nicht verantwortlich sei. „Wer mitUnfähigkeit, diese Geheimnisse des Nervenlebens zu begreifen"an den Dichter herantritt, dessen Lirteil soll „des wissenschaft-lichen Wertes entbehren". Der älteren Heinekritik bleibt dereinzige Trost, daß sie „die Entschuldigung mangelnden Wissensin Anspruch nehmen" darf. In Wahrheit beruht diese Ent-deckung, wie auch Kaufmann (S. 26) nicht verschweigt, auseiner Schrift des Or. meck. S. Rahmer „Heines Krankheitund Leidensgeschichte", Berlin 1961, der auch den Namender Krankheit nennt. Mir fehlt jede Berechtigung, einermedizinischen Diagnose zu widersprechen; aber einstweilen be-ruhige ich mich bei dem Gedanken, daß Heines Mutter undSchwester beide gegen 96 Jahre, daß sein Vater 64, derOheim Salomon 76, die Brüder Gustav und Max, wennich nicht irre, mehr als 76 Jahre in leidlicher Gesundheitverlebten. Nimmt man auch die „Memoiren" und das sorg-fältige Buch „Aus Heines Ahnensaal" von David Kaufmann,sowie den Aufsatz von Karpeles „Heinrich Heines Stamm-baum väterlicherseits", 1961, zur Hilfe, gewöhnliche Augenmüssen doch bis auf Adam und Eva zurückgehen, um beiHeines Vorfahren etwas zu entdecken, was den Ausdruck„erbliche Belastung" rechtfertigen könnte. Daß man beieinem Dichter, einem so eigentümlich begabten Menschen wieHeine, lebhaftere Empfindungen, einen rascheren Wechsel derStimmungen und des Ausdrucks in Anschlag bringen muß,wird niemand bestreiten; und so mag man I immerhin mitRichard M. Meyer (Deutsche Literatur des 19. Jahrhunderts,S. 145) manche Äußerungen Heines als „subjektive Moments-bekenntnisse" auffassen. Aber darf man diesen Maßstab an