Druckschrift 
Heinrich Heine : Gesammelte Aufsätze
Entstehung
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V.

Zu Keines Gedichten.

Die Werke unserer großen Schriftsteller haben nur seltenin der eigenen Handschrift, noch weit seltener im ersten Entwürfe sich erhalten. Am so wertvoller sind die kritischen Aus-gaben von Heines Gedichten. Indem sie aus Manuskriptenund älteren Drucken die verschiedenen Lesarten zusammen-stellen, wird es möglich, ein Gedicht von der ersten Aufzeich-nung oft durch eine ganze Reihe von Wandlungen bis zurletzten Vollendung zu verfolgen. Wir werden in die innersteWerkstatt des Dichters geführt und schätzen neben der dich-terischen Begabung auch den gewissenhaften Fleiß, der sichnicht genug tun, nicht ruhen kann, bis auch der leiseste Miß-ton, das letzte Hemmnis in dem melodischen Fluß der Verseverschwinden. Wer das Gefühl für den eigensten Wohllautdeutscher Metrik schärfen will, wird sich nicht leicht nützlicherbeschäftigen, als mit den Varianten zu Heines Werken.

Ich habe erwähnt, daß Sethe schon in früherer Zeitsorgfältig aufbewahrte, was ihm von dichterischen Erzeug-nissen seines Freundes zukam. In seinein Nachlaß findensich 24 Gedichte in Heines Handschrift, eins und das ältesteganz ungedruckt, mehrere mit noch unbekannten Strophen,daneben zahlreiche Varianten, die als Ergänzung der Strodt-mannschen Ausgabe der Mitteilung wert erscheinen.

I.

In dem ältesten Briefe Heines aus Hamburg wird einfrüherer Mitschüler namens Wünneberg erwähnt. Durchihn sind auch die folgenden Verse veranlaßt. Sie füllen