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Heinrich Heine : Gesammelte Aufsätze
Entstehung
Seite
253
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Die Denkmalssrage, 253

Athener zurück, welche einem einzigen, dein Redner Demetriusvon Phaleron, wie wir aus dem Cornelius Nepos lernten,nicht weniger als dreihundert Statuen errichteten. And wennpersönliche oder örtliche Eitelkeit in einzelnen Fällen wirklichdes Guten zu viel tun, so kann davon bei einem Denkmalfür Keine nicht die Rede sein.

Bedeutender sind die Einwürfe, die sich nicht gegen dasDenkmal, sondern gegen den Dichter wenden, dem es gesetztwerden soll. Sie sind mit einer Festigkeit erhoben worden,die um so mehr befremdet, als Keines Verehrer sich niemalsin überschwänglichen Lobeserhebungen seiner Person ergangen,sondern ihm und seinen Schriften oft recht herben Tadelnicht vorenthalten haben. Keiner von Keines Biographen,weder die älteren: Strodtmann, Bölsche, Proelß, noch inneuester Zeit Ernst Elster, nicht einmal Karpeles, der dochim Lobe am weitesten geht, hat Keine zu einer Idealgestaltgemacht. Sie haben nur in seinen Fehlern nicht die eigent-liche Bedeutung seines Wesens finden wollen und ungerechteoder übertriebene Vorwürfe abgelehnt oder aus das richtigeMaß zurückgeführt. Eine große Angerechtigkeit lag besondersdarin, daß man bei einem Dichter von so grenzenloser Emp-fänglichkeit, bei einem Schriftsteller, der seinen wechselndenEmpfindungen sogleich Ausdruck zu geben nicht unterlassenkonnte, sich an einzelne Stellen heftete, statt ihn in seinerGesamtheit aufzufassen, wobei man dann gegen das Gift,das man zu finden glaubte, auch das Gegengift in seinenSchriften meistens nicht vergebens gesucht hätte. Denn indem Parteiwesen seiner Zeit ist Keine niemals aufgegangen,teils infolge seiner Abgeschiedenheit in Paris, teils und nochmehr als eine selbständige Persönlichkeit. Bei seinem durch-dringenden Scharfblick blieben ihm die Schwächen wie dieVorzüge keiner Partei verborgen, auch nicht derjenigen, dieihm scheinbar am nächsten oder am fernsten stand. Andwenn er sich ohne Rücksicht auf eine Parteischablone darüberäußerte, hat man ihm oft als Charakterlosigkeit und Wankel-