252 Wann ist Heinrich Heine geboren?
immer eine unerlaubte Handlung, wenn er auch keinen so ge-hässigen Charakter trägt, als wenn man in Zeiten allgemeinerGefahr und allgemeiner Begeisterung — im Frühling 1815 istmir die Begeisterung Samson Heines für Napoleon sehrzweifelhast — einen Dienstpflichtigen durch Fälschung derLandesverteidigung entzogen hätte. Begreiflicherweise wurdedas einmal angegebene Jahr bei amtlichen Erklärungen, be-sonders auf preußischem Boden, beibehalten, also vor demBonner üniversitätsgericht oder bei der Taufe in Heiligen-stadt. Im literarischen Verkehr oder Jugendfreunden gegen-über brauchte man aus dem richtigen Alter kein Hehl zumachen.
Sollten nicht etwa die Verehrer Heines mit ihm demSatze beipflichten: „Ln cliose la plus importante, c'est queje suis ne", so könnte es zwischen ihnen zu ähnlichen Kontro-versen kommen wie zu Ende des 18. Jahrhunderts zwischendenen, welche den 31. Dezember 1799 und denen, die den31. Dezember 1800 als Säkularschluß betrachteten. Eine un-widersprechliche Entscheidung halte ich noch immer für unmög-lich. Aber alles in allem genommen und vornehmlich ausdem hier entwickelten Grunde, bin ich der Meinung, daß jetztwie damals die Neunundneunziger nicht die bessere Sacheverteidigen. Denn in Wahrheit sprechen doch mit Ausnahmevon zweien alle Zeugnisse aus der Jugendzeit für das Jahr1797; und wie diese beiden, das Llniversitäts- und Taufzeug--nis, ihre Erklärung finden und zugleich ihre Beweiskraft ver-lieren, glaube ich wenigstens sehr wahrscheinlich gemacht zuhaben.
Diese Streitstage könnte aber eine andere schon oft er-örterte wieder anregen: wird man in Deutschland Heine einDenkmal errichten? Zentenarien sind der Entstehung solcherFragen äußerst förderlich und, wie die Erfahrung lehrt, be-darf es ihrer nicht einmal. Schon manchem ist die raschsteigende Liebhaberei für Denkmäler zum Überdruß geworden.Aber wir stehen doch noch weit hinter der Freigebigkeit der